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	<title>Franks antigrüner Blog</title>
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	<description>Mensch und Natur, Energie und Klimawandel</description>
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		<title>Fakten, Fakenews, Vorurteile</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 14:11:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten. So lautet ein gern genutztes Bonmot im Kampf um politische Deutungshoheiten. Das Verbreiten von Fehlinformationen kann heute schon strafbar sein. Wer beispielsweise falsche Fakten über eine andere]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><br><em>Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.</em> So lautet ein gern genutztes Bonmot im Kampf um politische Deutungshoheiten.<br><br>Das Verbreiten von Fehlinformationen kann heute schon strafbar sein. Wer beispielsweise falsche Fakten über eine andere Person verbreitet, macht sich u.U. der Verleumdung strafbar. Darüber hinaus sind in Deutschland einige geschichtliche Tatsachen durch Gesetz geschützt, bekanntestes Beispiel der Holocaust, dessen Leugnung hier strafbar ist.</p>



<p>Gelegentlich wird gefordert, die Liste der Tatsachen, die nicht falsch dargestellt werden dürfen, zu verlängern. Die Begründung ist meistens, der Staat müsse die Bevölkerung, sich selbst oder seine Grundwerte vor Fehlinformation beschützen.</p>



<p>Dagegen gibt es einige gute Argumente. Zu Recht wird auf möglichen Machtmissbrauch hingewiesen. Eine, kaum vermeidbar einseitige, Bekämpfung der von der Opposition vorgebrachten Fehlinformationen, während die Regierungsseite ungehemmter lügen darf, würde den Wettbewerb der Gedanken gravierend verzerren. Genau dieses Ringen um widersprechende Ideen ist es, was Demokratie stark macht.</p>



<p>Ich will in diesem Artikel einen anderen, seltener vorgebrachten Aspekt beleuchten, den ich langfristig für bedrohlicher halte: <em><strong>Wer Fakten festschreiben will, läuft Gefahr, tatsächlich die Vorurteile der Gegenwart festzuschreiben und den Erkenntnisfortschritt der Gesellschaft zu bremsen.</strong></em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Grundherausforderung des intelligenten Lebens</h2>



<p>Intelligentes Leben hat ein Problem. Sinnesorgane nehmen die Vergangenheit wahr. Aktionen beeinflussen die Zukunft.</p>



<p>Um seine Überlebenschancen zu verbessern, muss Leben richtige Entscheidungen treffen. Das fängt an bei der <em>Entscheidung</em> einer Zellmembran, Moleküle mit bestimmten Eigenschaften durchzulassen, und endet nicht mit der Wahl eines Menschen, ein Kind mit einem bestimmten Partner zu zeugen.</p>



<p>Die richtigen Entscheidungen finden Lebewesen mit einem <em>Modell</em>, mit dem es aus der wahrgenommenen Vergangenheit die Auswirkungen seiner Aktionen auf die Zukunft ableitet.</p>



<p>Ein solches Modell kann unmöglich perfekt sein. Lebewesen sind Teil des Universums, und innerhalb eines Teils kann es kein Modell geben, welches das Ganze vollständig beschreibt. Kein Mensch, keine künstliche Intelligenz, kein noch so hoch entwickelter Alien wird jemals ein Modell des Universums haben, welches unter allen Umständen die Zukunft korrekt vorhersagen kann.</p>



<p>Stattdessen hat jedes Lebewesen nur ein stark vereinfachtes Modell, das ihm im Allgemeinen nur Vorhersagen für die nächste Zukunft und für seine nahe Umgebung erlaubt, und auch dies nur mit einer gewissen Eintrittswahrscheinlichkeit.</p>



<p>Die Richtigkeit des Modells ist grundsätzlich nicht beweisbar in einem mathematischen Sinn. Auch keine einzige Vorhersage eines solchen Modells ist streng beweisbar.</p>



<p>Dieses Modell ist die Summe aller Vorurteile dieses Lebewesens. Denken ist die Anwendung von Vorurteilen, denn endgültige Urteile sind unmöglich.</p>



<p>Komplexe Modelle enthalten Beschreibungen über sich selbst und über die Modelle anderer Lebewesen.</p>



<p>Jedes Lebewesen hat sein eigenes Modell und es hat <em>nur</em> dieses Modell. Es gibt keinen Bypass mit dem wir die Realität direkt wahrnehmen können. Wir leben in diesem Modell, insofern wir uns über unser Bewusstsein identifizieren, <em>sind</em> wir dieses Modell.</p>



<p>Die meisten intelligenten Wesen dürften ihr eigenes aktuelles Modell für die Wahrheit halten, denn wenn es falsche Voraussagen machen würde, würden sie es ändern.</p>



<p>Was folgt daraus? Haben die Esoteriker recht, denen zufolge jede behauptete Wahrheit nur eine von unendlich vielen gleichberechtigten Meinungen wäre, genauso gut wie alle anderen Wahrheiten? Lebt gar jeder in seiner eigenen Realität, weil diese erst durch das Modell entsteht?<sup data-fn="cd1ac36f-33e2-4c8f-a90e-65f1f20c10af" class="fn"><a href="#cd1ac36f-33e2-4c8f-a90e-65f1f20c10af" id="cd1ac36f-33e2-4c8f-a90e-65f1f20c10af-link">1</a></sup></p>



<p>Ich denke nicht. Vergessen wir nicht die zu erfüllende Aufgabe. Wahrheiten sind nie perfekt, doch gibt es bessere und schlechtere.</p>



<p>Im Sinne der obigen Aufgabenstellung definiere ich pragmatisch:</p>



<p><em>Wahrheit ist dasjenige tatsächliche Modell der Welt, welches die besten Entscheidungen ermöglicht.</em><br><br></p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie finden wir die Wahrheit?</h2>



<p>Aus dieser Definition ergeben sich einige Konsequenzen.<br></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wahrheit ist nicht endgültig, sondern wird permanent weiterentwickelt.</li>



<li>Vorurteile werden immer nur durch andere Vorurteile ersetzt.</li>



<li>Wir testen unseren Fortschritt, indem wir das Modell Vorhersagen machen lassen, deren Eintreffen überprüft werden kann. Falsche Vorhersagen führen zur Modifikation des Modells.</li>



<li>Wir gleichen durch Kommunikation mit anderen denkenden Wesen unsere Modelle ab und versuchen Teile der Modelle untereinander auszutauschen.</li>



<li>Das Modell muss einfach genug sein, dass es für praktische Entscheidungen schnell genug anwendbar ist.</li>



<li>Ein wahres Modell muss für jede Fragestellung eine eindeutige Antwort liefern, also in sich widerspruchsfrei sein.</li>



<li>Wir beziehen das Wissen über unsere Sinnesorgane und das von ihnen gespeiste Modell in das Modell ein.</li>
</ul>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Was sind Begriffe?</h2>



<p>Das Modell der Wirklichkeit in unseren Köpfen ist stark und verlustbehaftet komprimiert. Der wichtigste Trick hierzu ist das Wiederverwenden von identischen oder ähnlichen Bestandteilen.</p>



<p>Bei der Kompression unseres Weltbildes spielen Begriffe eine zentrale Rolle. Begriffe sind die Einheitsbausteine, aus denen wir unser Modell der Welt zusammensetzen.</p>



<p>Aus den Begriffen setzen wir Theorien zusammen. Das meine ich nicht nur im wissenschaftlichen Sinn, sondern auch im alltäglichen. Eine Theorie ist z.B. das, was uns das Verhalten des Autos vorhersagt, wenn wir am Lenkrad drehen.</p>



<p>Theorien sind aus Begriffen zusammengesetzte größere Elemente unseres Modells der Welt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Begriffe sind einem steten Wandel unterzogen</h2>



<p>Die Geschichte des menschlichen Fortschrittes ist mit einer permanenten Optimierung zentraler Begriffe verbunden.</p>



<p>Aristoteles hielt seinerzeit nur Stadtbewohner für <em>Menschen</em>. (zoon politikon)</p>



<p><em>Leben</em> wurde früher untrennbar mit göttlichem Odem verbunden.</p>



<p>Auf <em>Raum</em> und <em>Zeit</em> gehe ich später noch ein.</p>



<p>Mit der Quantenphysik tun wir Menschen uns deswegen so schwer, weil uns für das zentrale Konzept des <em>Welle-Teilchens</em> ein Begriff fehlt. Wir haben ein Wort, aber keine echte Vorstellung.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Vorurteile müssen schön sein</h2>



<p>Vom Physiker Paul Dirac stammt der Satz, wonach Theorien schön sein müssen. Eine Forderung, deren Sinn ich lange nicht verstand. So ein Quatsch, dachte ich, Theorien müssen wahr sein, und sonst gar nichts.</p>



<p>Nobelpreisträger Diracs Verständnis gründete tiefer als das des Studenten Frank L.</p>



<p>Es geht um die Anwendbarkeit von Theorien. Schöne Theorien sind anwendbar. Sie sind einfach, passen zu der Art, wie unser Verstand tickt. Einfach heißt: sie enthalten wenige Annahmen, und möglichst gar keine Ausnahmen. Sie fassen möglichst viel Aussage in möglichst wenige Begriffe.</p>



<p>Schöne Theorien erweitern die Vorhersagequalitäten unseres Modells, ohne seine Komplexität deutlich zu erhöhen. Im Idealfall verringern sie sogar die Komplexität. Physiker sprechen gerne von <em>Symmetrien</em>. Symmetrien sind wiederverwendbare Teile unseres Modells, die über einen bereits existierenden Begriff hinausgehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Warum werden wir unsere Vorurteile so schwer los?</h2>



<p>Wir bauen unser Weltmodell aus Begriffen zusammen, wie wir als Kinder einen Kran aus Lego- oder Fischertechnik-Bausteinen aufgebaut haben. Die Begriffe sind die Bauteile unseres Denkens. Im Laufe des Lebens bauen wir ein immer umfangreicheres Modell auf aus den immer wieder verwendeten Begriffen.</p>



<p>Wenn nun einer dieser Begriffe eine andere Bedeutung bekommen soll, dann ist das, als wenn wir in einem riesigen Kranmodell einen tausendfach verwendeten T-förmigen Baustein durch einen ringförmigen ersetzen müssten. Das Ergebnis wäre entweder ein nicht mehr funktionsfähiges Modell, oder eine komplette Neukonstruktion des Modells.</p>



<p>Wer in höherem Alter erfährt, dass einer seiner seit Jahrzehnten verwendeten, an tausenden Stellen in sein Weltbild eingebauter Grundbegriffe besser geändert werden müsste, der steht vor einer bitteren Wahl: Entweder schmeißt er sein ganzes Weltbild über den Haufen, und beginnt mit dem Neuaufbau, fällt dadurch auf den Wissensstand eines Kindes zurück. Oder er weigert sich, die Änderung anzunehmen. Es dürfte klar sein, wofür sich fast alle entscheiden.</p>



<p>In der Wissenschaft gibt es seit langem die Erkenntnis, dass neue Theorien sich nicht durchsetzen, weil die führenden, meist alten, Köpfe dieses Zweiges überzeugt werden. Neue Theorien setzen sich durch, weil die alten Köpfe in Ruhestand gehen, und ersetzt werden durch jüngere, die bereits die neue Version des Bausteins für ihr Weltbild benutzt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Was sind Fakten?</h2>



<p>Wir kennen die Realität nicht. Alles, was wir haben, ist das Modell der Realität in unseren Köpfen, und dieses Modell besteht aus Vorurteilen. Kein Bestandteil dieses Modells kann bewiesen werden.</p>



<p>Ist es also sinnlos, von Fakten zu reden, gibt es nur Meinungen?</p>



<p>Auch hier möchte ich aus pragmatischen Gründen widersprechen. Fakten sind Teile unseres Modells, die in der Vergangenheit für viele Menschen dabei geholfen haben, korrekte Aussagen über die Realität zu treffen. Auch wenn sie nicht mit absoluter Gewissheit bestätigt werden können, ist es dennoch Unsinn, sie mit völlig unsicheren Meinungen gleichzusetzen.</p>



<p>Niemand denkt bei jedem Schritt über die Existenz der Reibung zwischen Fuß und Boden nach. Dies würde den Sinn des Modells in unserem Kopf wegnehmen.</p>



<p>Wenn Fakten so nützlich sind, ist es dann nicht sinnvoll, das Verbreiten falscher Fakten (Fakenews, Desinformation, Lügen, wie auch immer genannt) per Gesetz unter Strafe zu stellen, und auf diese Weise dafür Sorge zu tragen, dass sich das beste bekannte Modell der Realität durchsetzt?</p>



<p>Die Antwort lautet <em>Nein</em>, wie ich an einigen Beispielen erläutern möchte.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Lernen aus Irrtümern</h2>



<p>Ich will euch hier nicht die Kamelle von Christoph Kolumbus auftischen, dessen Gegner noch an die scheibenförmige Erde glaubten. Wir alle wissen inzwischen hoffentlich, dass die Leute, die Kolumbus abrieten, nach Westen in See zu stechen, um Indien zu erreichen, sehr wohl über die Kugelgestalt der Erde Bescheid wussten. Im Gegensatz zu Kolumbus hatten sie sogar eine realistische Vorstellung über den tatsächlichen Erdumfang von ca. 40.000 Kilometern. Ihnen war klar, dass der Westweg nach Indien zu weit für die Reichweite der damaligen Schiffe und erst recht einen wirtschaftlichen Gewinn gewesen wäre.</p>



<p>Demgegenüber beharrte Kolumbus stur auf der <em>Desinformation</em>, der Erdumfang betrüge unter 30.000 km, und stach mit drei Schiffen in See.</p>



<p> Das Ergebnis ist bekannt. Nach nicht einmal einem Viertel der Strecke bis Ostasien war Kolumbus bereits länger als geplant auf See und knapp an Wasser und Nahrung, als ihn die Karibikinsel Guanahani rettete. Kolumbus glaubte sich in Japan, doch über längere Sicht lernte der europäische Teil der Menschheit von der Existenz Amerikas.</p>



<p><em><strong>Wer Irrtümer unterdrückt, raubt Kapitän Zufall ein paar Chancen, unser Wissen zu erweitern.</strong></em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Viele Vorurteile stecken in den Begriffen</h2>



<p>In Begriffen stecken bereits Annahmen über die Welt. Eine der schwersten Übungen für den menschlichen Geist ist es, Vorurteile zu überwinden, die in Begriffen stecken, von denen wir glauben, wir hätten sie bereits voll verstanden.</p>



<p>Als Beispiel möchte ich den Begriff der Wahrscheinlichkeit anhand des Monty-Hall-Dilemmas heranziehen, das üblicherweise als Spiel durchgeführt wird.</p>



<p>Der Spieler steht vor drei verschlossenen Türen. Hinter einer dieser Türen befindet sich ein Goldstück, hinter den anderen beiden nichts.</p>



<p>Der Spieler wählt eine Tür. Anstatt das Spiel nun aufzulösen, wird eine der beiden anderen Türen geöffnet, hinter der sich nichts befindet.</p>



<p>Jetzt darf der Spieler erneut zwischen den beiden noch verschlossenen Türen wählen. Spannenderweise wählen viele Menschen dieselbe Tür wie beim ersten Mal – und verschenken damit Gewinnchancen.</p>



<p>Die Überlegung der meisten Menschen dürfte so sein, wie auch meine war, als man mir das Problem erstmals präsentierte:</p>



<p>An den objektiven Tatsachen hat sich nichts geändert, die Wahrscheinlichkeit, die Goldmünze hinter jeder Tür zu finden, ist daher unverändert ein Drittel für jede der beiden noch verschlossenen Türen.</p>



<p>Dieser Gedankengang ist falsch. Etwas hat sich geändert: unser Wissen.</p>



<p>Hier liegt das begriffliche Missverständnis, auf das ich hinaus will.</p>



<p><em><strong>Die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist keine Eigenschaft des Ereignisses, sondern unseres Wissens über diesen Ereignis.</strong></em></p>



<p>Wir haben den Begriff <em>Wahrscheinlichkeit</em> für den Problemstellungen erfunden, in denen unser Wissen unvollständig ist. Dennoch ist das intuitive Verständnis vieler Menschen dieses Konzeptes, sie sei eine Eigenschaft der Dinge selbst, über die wir unvollständiges Wissen haben.</p>



<p>Solange man nicht mit der Nase darauf gestoßen wird, merkt man nicht mal, dass man hier einem Missverständnis aufsitzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Meinung versus Fakten</h2>



<p>Das deutsche Grundgesetz schützt die Meinungsfreiheit, das Aufstellen von falschen Fakten ist dadurch nicht geschützt. Aber was ist Meinung, und was ist Fakt? Üblich und weithin akzeptiert scheint folgende Definition:</p>



<p>Fakten sind überprüfbar, Meinung entzieht sich der Überprüfbarkeit, da subjektiv.</p>



<p>Ich halte diese Definition für gefährlich eng. Der Grund dafür liegt in den Vorurteilen. Unsere Vorurteile kreieren aus Beobachtungen vermeintliche Fakten. Da unsere Vorurteile uns nur selten bewusst werden, bleibt vor uns selbst geheim, dass wir Fakten gar nicht wirklich feststellen können, sondern die Kombination aus Beobachtung und dem Modell in unseren Köpfen für Fakten halten.</p>



<p>Ein guter Teil aller Diskussionen geht nicht um unüberprüfbare Meinungen, sondern sind der Versuch, unsere eigenen Vorurteile zu verteidigen, und die unserer Gegenüber zu entlarven. Sehr häufig wird dem politischen Gegner vorgeworfen, er würde Fakten leugnen, verdrehen oder erfinden.</p>



<p>Ich versuche, dies an einem aktuellen politischen Thema zu verdeutlichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Beispiel Russland-Ukraine-Krieg</h2>



<p>Diskussionen zur Frage der Unterstützung der Ukraine mit westlichen Waffen laufen oft darauf hinaus, dass die eine Seite der anderen vorwirft, Fakten zu ignorieren oder zu leugnen. Es mag sein, dass ein Teil der Diskutanten tatsächlich aus taktischen Gründen absichtlich Fakten leugnet, jedoch denke ich nicht, dass das auf alle zutrifft. Vielmehr sehe ich hier ein aktuelles Beispiel, wie unterschiedliche Vorurteile zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Fakten führt.</p>



<p>Insbesondere zu Beginn der Vollinvasion Ende Februar 2022 wurde der Ukraine von einigen empfohlen, schnell zu kapitulieren, weil Widerstand gegen Russland aussichtslos wäre. Ich denke, fast alle Menschen werden es als Fakt akzeptieren, dass Russland auf Landkarten absolut übermächtig wirkt. Neben einem Projektions-Effekt beim Abbilden der kugeligen Erdoberfläche auf eine flache Karte, vermute ich bei einem Teil der Diskutanten das Vorurteil <em>Groß gleich Stark</em>.</p>



<p>Dass dies nicht stimmt, wurde im Verlauf der folgenden Jahre klar. Stärke besteht nicht nur aus Größe, sondern auch aus Wirtschaftskraft und starken Verbündeten.</p>



<p>Ich habe in dieser Frage eine ausgeprägt pro-ukrainische Haltung, aber ich halte nicht alle sogenannten Putin-Versteher für Lügner und Tatsachen-Verdreher. Darunter sind <em>auch</em> Lügner, aber ein Teil wendete, glaube ich, ganz unbewusst die von mir genannte Annahme an. Sie waren sich dessen nicht bewusst, sondern hielten Russlands Übermacht für unübersehbaren Fakt. Selbstverständlich ist dies nur eine von vielen verdeckten, unbewussten Annahmen, die unsere Sicht prägen.</p>



<p>Der Kampf um politische Entscheidungen ist der Kampf, die eigenen Vorurteile als die leistungsfähigeren darzustellen. Der Gegenseite die Ausführung der von ihr als Fakten verstandenen Annahmen zu verbieten, ist kontraproduktiv. Man raubt ihr und allen noch unentschlossenen Zuhörern die Gelegenheit, sich unbewusster Annahmen bewusst zu werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Paradigmenwechsel</h2>



<p>Jeder Mensch hat andere Vorurteile und das hilft dabei, sie stetig zu verbessern.</p>



<p>Es gibt auch Vorurteile, die wir alle gemeinsam haben. Irgendwann kommt dann ein einzelnes Genie, das als erster Mensch deren Schwäche identifiziert, und dieser Einzelne muss nun die Gelegenheit bekommen, seinen Fortschritt zu verbreiten. Wir sprechen von einem <em>Paradigmenwechsel</em>.</p>



<p>Als Beispiel fällt mir Einsteins spezielle Relativitätstheorie ein, die grundlegende Begriffe wie Raum und Zeit auf eine neue Basis stellt.</p>



<p>Die Schwierigkeit bei dieser Theorie liegt nicht in den komplizierten Formeln. Sie liegt darin, dass sie mit Konzepten und Begriffen kollidiert, die wir in frühester Kindheit lernen und die vermutlich auch in den Gehirnen von vielen Tieren eine wesentliche Rolle spielen: Raum, Zeit, Geschwindigkeit, Gleichzeitigkeit und einige mehr.</p>



<p>Es gibt zahlreiche eingängige und völlig plausible Widerlegungen dieser Theorie. Gerade, wenn man sich ein wenig mit Physik auskennt und beispielsweise darauf trainiert ist, Symmetrien in physikalischen Problemstellungen zu erkennen und diese zur Vereinfachung heranzuziehen, stolpert man permanent über innere Widersprüche in dieser Theorie.</p>



<p>Beim Zwillingsproblem kommt man unter Verwendung des gesunden Menschenverstandes unter Betrachtung der Symmetrie zwischen den beiden Zwillingen unweigerlich zu dem Schluss, dass die beiden am Ende immer noch gleich alt sein müssen. Die Relativitätstheorie behauptet, die Zwillinge seien unterschiedlich stark gealtert.</p>



<p>Alle Widerlegungen der Relativitätstheorie haben gemeinsam:</p>



<p>Sie sind logisch kristallklar, für den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar – und falsch.</p>



<p>Die Widerlegenden machen in der Regel weder logische noch rechnerische Fehler. Sie bauen aber tiefverwurzelte Vorurteile über die Welt in ihre Überlegungen ein. Die Schwierigkeit beim Anwenden der Relativitätstheorie besteht darin, jede anscheinend triviale Überlegung darauf abzuklopfen, wo sich ein solches Vorurteil, von Einstein <em>Denkgewohnheit</em> genannt, versteckt.</p>



<p>Stellen wir uns vor, zu Einsteins Zeiten wäre es politisch bedeutsam gewesen, ob seine Auffassung von Raum und Zeit richtig ist, oder ob die Mächtigen des Kaiserreiches darin eine Gefahr für sich erkannt hätten. Stellen wir uns weiter vor, es hätte damals bereits Faktenchecker gegeben, natürlich unter anderem Namen, vielleicht <em>Reichsamt zum Schutze der Menschen vor gefährlichen Tatsachenbehauptungen</em>.</p>



<p>Diese Faktenchecker hätten ein solides Verständnis der klassischen, nicht-realistischen Physik gehabt. Gerade deswegen hätten sie schnell einige der typischen Symmetriebetrachtungen angestellt, darin unwissentlich ihre Vorurteile bzgl. Raum und Zeit eingebaut – und die Relativitätstheorie als Lüge gebrandmarkt.</p>



<p>Hier zeigt sich die gefährliche Beschränkung der Definition von Fakten als überprüfbar. Auch bei der Beurteilung, was eine Überprüfung ist, schlagen unsere Denkgewohnheiten zu und verleiten uns zu ungerechtfertigter Gewissheit.</p>



<p>Einstein und die wenigen, die ihn verstanden hatten, wären mit Strafe bedroht worden, die Relativitätstheorie öffentlich zu diskutieren. Der Gang der Menschheit zu tieferem Verständnis der Physik wäre verzögert worden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Fazit</h2>



<p>Staaten sollten nur mit äußerster Behutsamkeit mit dem Strafrecht gegen das Behaupten von falschen Fakten vorgehen. Dieses Instrument mag kurzfristig dazu beitragen, bessere Entscheidungen zu treffen. Längerfristig gefährdet es den Erkenntnisfortschritt der Menschheit, weil das Aufdecken von Vorurteilen (im Sinne von: Ersetzen durch etwas bessere) erschwert wird. Ein Verbot</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>verlangsamt die Optimierung der Begriffe.</li>



<li>verzögert die Verbesserung von alten, tief verwurzelten Vorurteilen.</li>



<li>erleichtert es Neu-Einsteigern in ein Thema, auf veraltete Begriffe hereinzufallen.</li>



<li>raubt uns Chancen, aus Irrtümern zu lernen</li>



<li>hemmt wissenschaftliche Durchbrüche.</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="cd1ac36f-33e2-4c8f-a90e-65f1f20c10af">Im Grunde ist egal, ob eine Realität wirklich existiert. Die Annahme einer Realität verbessert Entscheidungen, das alleine genügt mir, ihre Existenz anzunehmen. <a href="#cd1ac36f-33e2-4c8f-a90e-65f1f20c10af-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<p></p>
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			</item>
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		<title>Wie wirkt Desinformation?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Oct 2024 13:59:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Desinformation ist gerade in aller Munde. Das World Economic Forum hat es zur größten kurzfristigen Bedrohung der Menschheit gekürt. Aber was ist das eigentlich und worin besteht das Risiko? Desinformation versucht, die Entscheidungsprozesse in unserer liberalen Demokratie zu torpedieren. Entweder]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><br>Desinformation ist gerade in aller Munde. Das World Economic Forum hat es zur größten kurzfristigen Bedrohung der Menschheit gekürt.<sup data-fn="39bfe562-68f2-4795-9448-7f20a1ef2922" class="fn"><a href="#39bfe562-68f2-4795-9448-7f20a1ef2922" id="39bfe562-68f2-4795-9448-7f20a1ef2922-link">1</a></sup> Aber was ist das eigentlich und worin besteht das Risiko?</p>



<p>Desinformation versucht, die Entscheidungsprozesse in unserer liberalen Demokratie zu torpedieren. Entweder werden subtil verschleierte Lügen verbreitet, oder wahre Informationen werden so verpackt, dass die Menschen zu falschen, für sie langfristig schädlichen Ansichten geführt werden. Gefühle wie Angst, Wut, Hass, schlechtes Gewissen, Mitleid oder falsche Hoffnung werden in uns geweckt, um uns zu irrationalen Entscheidungen zu verleiten.</p>



<p>Ich versuche, die Wirkungsweise von Desinformation anhand einiger Beispiele zu erläutern, worin sie besteht, wie sie wirkt, und warum sie so gefährlich für unsere Demokratie ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Desinformation mit Lüge</h2>



<p>Man sollte meinen, dass in unserer Welt des fast freien Informationsflusses Lügen leicht aufgedeckt werden können. Aber doch, Lügen funktionieren. Lügen lassen sich durch verschiedene Tricks so verstecken, dass sie jahrzehntelang in unseren Köpfen überleben können.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Wir sind nur Gast auf diesem Planeten</h3>



<p>Lüge!</p>



<p>Natürlich ist das zunächst eine Metapher, jeder weiß, dass die Erde kein Gastgeber im engeren Sinn ist. Doch auch in der Metapher steckt eine Lüge. Auch im übertragenen Sinn sind wir nicht Gast, sondern integraler Bestandteil der Erde. Die Trennung zwischen Natur und dem Menschen als etwas Fremdem, nicht zur Natur selbst gehörendem, ist ein sehr alter und tief sitzender Irrtum, der hier in einen knackigen Satz gepresst ist. Früher musste man die Erdgeister besänftigen, heute muss man sich wie ein Gast im fremden Heim benehmen.</p>



<p>Wer uns zu Gästen erklärt, will uns entrechten und uns eine Gast- also Untertanen-Mentalität anerziehen. Die Behauptung nutzt des Weiteren geschickt einen weit verbreiteten Wunsch nach einer höheren Macht, die für Gerechtigkeit sorgt, indem sie die Bescheidenen belohnt und die Gierigen bestraft. Dieser Wunsch ist auch die Grundlage für einige Religionen.</p>



<p>Leute, die sich willig unterordnen, sind keine guten Bürger in einer Demokratie, denn diese lebt von selbstbewussten Bürgern, die offen ihre Interessen gegen die Regierung und den Staat vertreten.</p>



<p>Mehr dazu in meinem Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-ist-der-planet/" data-type="post" data-id="64"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer ist der Planet?</mark></a></em></p>



<p></p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt<sup data-fn="d6a6b172-df1f-440a-a796-90d6a3050683" class="fn"><a href="#d6a6b172-df1f-440a-a796-90d6a3050683" id="d6a6b172-df1f-440a-a796-90d6a3050683-link">2</a></sup></h3>



<p>Wiederum eine Lüge, denn die Erde gehört unseren Kindern so wenig wie uns. Die Lüge ist geschickt verpackt, weil wir erstens daran gewöhnt sind, dass alles einen Eigentümer hat und zweitens die Erde eines Tages an unsere Kinder übergeben werden.</p>



<p>Hier wird versucht, ein schlechtes Gewissen in uns sowie Mitleid mit den Kindern auszulösen. Mit jeder unnütz verbrauchten Ressource begehen wir Diebstahl an unseren Kindern.</p>



<p>Auch dies ist eine Schwächung der Bürger unseres Landes und damit unserer Demokratie. Wer damit konfrontiert wird, Diebstahl an unseren Kindern zu begehen oder zu rechtfertigen, ist von Anfang an in einer schlechten argumentativen Position. Nur schlechte Menschen setzen ihre Interessen gegen die von Kindern durch. Die Abwägung zwischen verschiedenen politischen Argumenten wird durch den Appell an unser schlechtes Gewissen manipuliert.</p>



<p>Mehr dazu in meinem Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-sind-wir/" data-type="post" data-id="94"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer sind wir?</mark></a></em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Wir müssen die Schöpfung bewahren</h3>



<p>Diese Forderung kommt vorwiegend aus Kreisen, die Umweltschutz-Themen in ihre Religion einbinden möchten und sich opportunistisch als die ersten Grünen darstellen.<sup data-fn="04f5c30a-c5c0-4496-82b0-e1cc3b8705c4" class="fn"><a href="#04f5c30a-c5c0-4496-82b0-e1cc3b8705c4" id="04f5c30a-c5c0-4496-82b0-e1cc3b8705c4-link">3</a></sup></p>



<p>Was ist denn die Schöpfung? Als Physiker sage ich: die Naturgesetze. Die müssen aber nicht bewahrt werden, die sorgen schon für sich selbst. Der Rest des Universums ist aus den Naturgesetzen entstanden, und alles, wirklich alles! was in deren Rahmen passieren kann, ist legitime Schöpfung.</p>



<p>Offensichtlich ist mit Schöpfung hier etwas anderes gemeint. Aber was? Diese Frage wird in der Regel nicht beantwortet. Hier greift derselbe Mechanismus wie weiter oben beim Planeten. Wir beginnen, diesen undefinierten Begriff mit etwas aus unserer eigenen Vorstellung zu füllen, und werden genau dadurch in der Auffassung bestärkt, die Aussage würde unsere eigenen Vorstellungen formulieren.</p>



<p>Die Natur hat sich seit jeher beständig verändert. Indem die Schöpfung nicht näher definiert wird, kann sich jeder etwas anderes darunter vorstellen. Es ist zweifelhaft, ob all jene, die sich hinter dieser Forderung vereinen, wirklich an einem Strang ziehen könnten, wenn die Schöpfung näher spezifiziert würde.</p>



<p>Was damit gemeint ist, wenn Leute die Schöpfung bewahren wollen, ist entweder ein bestimmter Zustand der Schöpfung, in dem sie selbst gerade besonders gut leben, oder es ist eine erdachte Traumschöpfung.</p>



<p>Eine Forderung wie nach der Bewahrung der Schöpfung kann keine Lüge und keine Fake News sein. Dennoch liste ich sie hier als Desinformation auf, denn diese Forderung beinhaltet ein falsches Versprechen. Wenn wir uns ein bisschen zurückhalten und auf etwas Wohlstand verzichten, können wir diesen immer noch guten Zustand für alle Zeit bewahren.</p>



<p>Für diese Hoffnung gibt es keinerlei Beweis. Ein Blick in die Geschichte der Menschheit belegt eher, dass jeder freiwillige Verzicht maximal dann funktioniert, wenn er innerhalb einer Gruppe von Individuen verabredet wird, die sich gut kennen und vertrauen.</p>



<p>Dass Menschen Verzichtsforderungen ernst zu nehmen bereit sind, liegt meines Erachtens vor allem daran, dass sie aus der Erfahrung des Zusammenlebens einzelner Individuen im Familien- und Freundeskreis unzulässigerweise auf anonyme Gesellschaften schließen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Unser Haus brennt</h3>



<p>Erneut das falsche Verständnis des Verhältnisses von Mensch und Natur, dazu offen ausgesprochen panikheischend, abermals versteckt in einer Metapher, die jeder mit seinen eigenen Fantasien befüllen kann. Es wird versucht, Angst in uns auszulösen und uns so leichter dazu zu bringen, schlechte Entscheidungen zu unseren Lasten hinzunehmen. Der implizierte Zeitdruck soll dazu verleiten, schlecht durchdachte Lösungen nicht zu hinterfragen.</p>



<p>Mehr dazu in meinen Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/der-gruene-grundirrtum/" data-type="post" data-id="78"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Der grüne Grundirrtum</mark></a></em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Wer ist schuld am Klimawandel?</h3>



<p>Auch öffentlich-rechtliche Medien streuen Desinformation.</p>



<p>In der TV-Sendung <em>Die 100 – Ist die AfD eigentlich ein Problem?</em><sup data-fn="990f8a44-0551-4300-9161-cc8496d15fda" class="fn"><a href="#990f8a44-0551-4300-9161-cc8496d15fda" id="990f8a44-0551-4300-9161-cc8496d15fda-link">4</a></sup>  des NDR gab es auf diese Frage die Auswahl zwischen Mond, Sonne und Mensch.</p>



<p>Die Lüge ist hier in einer Frage versteckt. Ja, auch das ist möglich, denn Fragen beruhen auf unter Umständen falschen Voraussetzungen. Die Frage <em>Warum schlägst du deine Frau?</em> enthält eine bösartige Unterstellung. Sie bringt den Befragten in die schlechte Situation, die Frage nicht einfach beantworten zu können, sondern erst diese Unterstellung bestreiten zu müssen. Oberflächlich betrachtet wirkt dies wie eine Ausflucht vor einer unangenehmen Frage.</p>



<p>Angeblich hat die Wissenschaft das bewiesen, der Mensch wäre schuld am Klimawandel. Dies entspricht nicht der Wahrheit. Worin die Wissenschaft tatsächlich recht sicher ist: Die <em>Ursache</em> des Klimawandels liegt in menschlichen Tätigkeiten liegt. Ursache ist aber keine Schuld. Schuld ist eine ethische Kategorie, und die Wissenschaft beantwortet keine ethischen Fragen.</p>



<p>Erneut geht es darum, unser schlechtes Gewissen zu wecken. Menschen mit schlechtem Gewissen sind eher bereit, sich benachteiligen zu lassen.</p>



<p>Der Unterschied zwischen Ursache und Schuld wird in der Alltagssprache häufig vernachlässigt, weshalb diese Lüge nicht auffällt. Er ist aber durchaus relevant. Schuldhaftes Verhalten muss schnellstmöglich beendet werden, und der entstandene Schaden muss gesühnt werden. Das Gefühl der Schuld belastet unser Nachdenken und Reden über Maßnahmen gegen den Klimawandel und erzeugt die Bereitschaft, unnötigen Verzicht in Kauf zu nehmen.</p>



<p>Zusätzlich hinterhältig an dieser Formulierung ist, dass Ablehnung der menschlichen Schuld oft gleichgesetzt wird mit der Ablehnung der menschengemachten Ursache des Klimawandels. Wer widerspricht, gilt schnell als Wissenschaftsleugner.</p>



<p>Mehr dazu in meinen Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-sind-wir/" data-type="post" data-id="94"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer sind wir?</mark></a></em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Desinformation ohne Lüge</h2>



<p>Es ist möglich, Desinformation zu verbreiten, ohne die Unwahrheit zu sagen. Würde ich beispielsweise in einer Diskussion vor Publikum betonen, <em>ich</em> habe noch keinen Mord begangen, und meinen Diskussionspartner böse anfunkeln, dann würde ich beim Publikum den Eindruck erwecken, er hätte schon einen Mord begangen, ohne dass ich dies direkt aussprechen müsste.</p>



<p>Auch hierfür nenne ich Beispiele.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>In der Nähe von Kernkraftwerken gibt es erhöhte Leukämiezahlen bei Kindern<sup data-fn="2d7544cc-bb2b-4696-8ff9-5c6c26b9e596" class="fn"><a href="#2d7544cc-bb2b-4696-8ff9-5c6c26b9e596" id="2d7544cc-bb2b-4696-8ff9-5c6c26b9e596-link">5</a></sup></h3>



<p>Das Thema Kernenergie ist seit Jahrzehnten ein Gebiet heftiger Desinformation. Ich zähle nur ein dieses einzige Beispiel auf, weitere kommen wahrscheinlich in einem künftigen Artikel. Irgendwann.</p>



<p>Warum sollte die radioaktive Strahlung gerade diese einzige Krebsart und nur bei Kindern auslösen? Warum nicht Lymphdrüsenkrebs bei über fünfzig- bis siebzig-jährigen Frauen?</p>



<p>Die Antwort dürfte sehr einfach sein: Man hat die verfügbaren Statistiken selbstverständlich auf alle möglichen Zusammenhänge abgeklopft – und diesen einen gefunden. Dies nennt man <em>data fishing (</em>oder auch<em> data dredging </em>oder<em> p-Hacking) </em>und es gilt als unseriöse Methode zur Scheinwissens-Erzeugung. Es liegt im Wesen von Statistik und Wahrscheinlichkeit, dass ich in einer gegebenen Datenmenge irgendwelche Korrelationen finde, wenn ich nur genug suche. Um daraus eine Kausalität, also einen Ursache-Wirkungszusammenhang ableiten zu können, sind weitere, unabhängige Untersuchungen erforderlich.</p>



<p>Ein Lottogewinn ist für den einzelnen sehr unwahrscheinlich. Dennoch gibt es fast jede Woche Lottogewinner. Data fishing würde jemand betreiben, der aus der Existenz von Lottogewinnern ableitet, dass es Hellseher gibt, indem er verheimlicht, wie viele Leute <em>nicht</em> im Lotto gewinnen.</p>



<p>Die Aussage in der Überschrift ist formal korrekt, jedoch nicht das, was damit suggeriert wird: Dass die Kernkraftwerke die <em>Ursache</em> für die erhöhten Leukämiezahlen sind.</p>



<p>Die Angstmacherei vor der Kernenergie nutzt und stärkt eine weit verbreitete dumpfe Technikfeindlichkeit in der deutschen Bevölkerung aus. Der Begriff <em>dumpfe Technikfeindlichkeit</em> erinnert absichtlich an <em>dumpfe Fremdenfeindlichkeit</em>, weil ich die Ursachen für ähnlich halte. Dumpfe Feindlichkeit entsteht, wenn man etwas nicht entrinnen kann, zu dem man keinen Zugang findet, dabei wissend, dass man es sogar zum Leben braucht.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Sonne und Wind schicken keine Rechnung</h3>



<p>Formal korrekt, aber irreführend. Keine Energiequelle schickt eine Rechnung. Auch dies ist ein Beispiel für eine Desinformation ohne Lüge. Eine wahre Aussage wird so verpackt, dass sie <em>hintenrum </em>eine Lüge transportiert.</p>



<p>Keine Energiequelle schickt eine Rechnung. Die Kosten entstehen in jedem Fall durch die Arbeit für das Bereitstellen der Energie aus der jeweiligen Quelle.</p>



<p>Hier wird eine falsche Hoffnung in uns geweckt, es ist eine Art Heilsversprechen auf unbegrenzt verfügbare billige Energie, wenn wir uns nur jetzt ein bisschen zusammenreißen.</p>



<p>Mehr dazu in meinem Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-schickt-keine-rechnung/" data-type="post" data-id="175"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer schickt keine Rechnung?</mark></a></em></p>



<h3 class="wp-block-heading"><br>Fossile Energien stützen Autokraten<sup data-fn="c8467327-535b-44d4-affa-9fac0f98ca6d" class="fn"><a href="#c8467327-535b-44d4-affa-9fac0f98ca6d" id="c8467327-535b-44d4-affa-9fac0f98ca6d-link">6</a></sup></h3>



<p>Ein schönes Beispiel für eine formal korrekte Aussage, die durch Hinzufügen einer überflüssigen Einschränkung eine Lüge impliziert.</p>



<p>Die Überlegung ist grob skizziert folgende:</p>



<p>Der Verkauf von fossilen Brennstoffen beschert einer Gesellschaft eine üppig sprudelnde Geldquelle, ohne dass dazu viel qualifizierte Arbeit geleistet werden müsste. Dies ermöglicht es der herrschenden Klasse, einen kleinen Teil der Einnahmen für gerade so viele soziale Leistungen und Löhne zu zahlen, dass keine Unruhen ausbrechen. Ein weiterer Teil wird für einen meist brutalen Überwachungsapparat ausgegeben, der große Rest landet in den Taschen einiger weniger, die das Ganze steuern.</p>



<p>Das dürfte soweit plausibel sein.</p>



<p>Entlarvend ist die Überlegung, welche Rolle denn das Wort <em>fossil</em> spielt. Nämlich keine.</p>



<p>Nicht fossile Energieträger festigen Autokratien, sondern leicht verdientes Geld. Grüner Wasserstoff, den wir aus anderen Ländern importieren, hätte exakt dieselbe Folge wie Erdöl.</p>



<p>Selbst Demokratien werden durch leicht verfügbares Einkommen gefährdet, Stichworte <em>Holländische Krankheit</em> und <em>Ressourcenfluch</em>.</p>



<p>Auch hier wird zum einen unser schlechtes Gewissen geweckt (<em>Durch diesen Picknick-Ausflug mit dem Diesel-PKW stütze ich grausame, Menschen folternde Diktatoren</em>), zum anderen wird eine falsche Hoffnung auf eine bessere Welt geweckt.</p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p><strong>Liebe Grüne, wenn ihr wirklich gegen Desinformation kämpfen wollt, dann haltet einfach die Klappe!</strong></p>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="39bfe562-68f2-4795-9448-7f20a1ef2922">https://www.weforum.org/press/2024/01/global-risks-report-2024-press-release/ <a href="#39bfe562-68f2-4795-9448-7f20a1ef2922-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="d6a6b172-df1f-440a-a796-90d6a3050683">Aus dem Grundsatzprogramm von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Absatz (11)<br>Downloadbar <a href="https://cms.gruene.de/uploads/assets/20200125_Grundsatzprogramm.pdf">hier</a> <a href="#d6a6b172-df1f-440a-a796-90d6a3050683-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="04f5c30a-c5c0-4496-82b0-e1cc3b8705c4">z.B. <a href="https://www.ekd.de/Schopfung-Basiswissen-Glauben-11261.htm">hier</a> <a href="#04f5c30a-c5c0-4496-82b0-e1cc3b8705c4-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="990f8a44-0551-4300-9161-cc8496d15fda">In der ARD-Mediathek noch verfügbar bis 16.09.2026, ab ca. Minute 46, <a href="https://www.ardmediathek.de/video/die-100-was-deutschland-bewegt/ist-die-afd-eigentlich-ein-problem-fuer-die-demokratie/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM1OTQwOV9nYW56ZVNlbmR1bmc">hier</a> <a href="#990f8a44-0551-4300-9161-cc8496d15fda-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="2d7544cc-bb2b-4696-8ff9-5c6c26b9e596">z.B. <a href="https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/atomausstieg/leukaemierisiko-akw-ungeloeste-raetsel">hier</a> noch erwähnt <a href="#2d7544cc-bb2b-4696-8ff9-5c6c26b9e596-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 5 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="c8467327-535b-44d4-affa-9fac0f98ca6d">Beispielsweise <a href="https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/fossiler-ressourcenfluch-verschwoerungsmythen-auch-venezuela-bestaetigt-die-these/">hier</a> nachzulesen <a href="#c8467327-535b-44d4-affa-9fac0f98ca6d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 6 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Wer schickt keine Rechnung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Aug 2024 14:13:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Dies ist einer der vorgebrachten Gründe, warum Deutschland in Zukunft ausschließlich auf diese zwei Energiequellen setzen sollte. Stimmt das, oder ist es nur eine weitere Irreführung im Umfeld grüner Themen? Eigentlich wollte ich nichts]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><br><em>Sonne und Wind schicken keine Rechnung.</em> Dies ist einer der vorgebrachten Gründe, warum Deutschland in Zukunft ausschließlich auf diese zwei Energiequellen setzen sollte. Stimmt das, oder ist es nur eine weitere Irreführung im Umfeld grüner Themen?</p>



<p>Eigentlich wollte ich nichts zu diesem Thema schreiben, da ich davon ausging, die hohen Strompreise hätten inzwischen jedem Bewohner Deutschlands klarmachen müssen, welche Blendgranate diese Behauptung darstellt. Dann kam Saskia Esken. Die Selbstverständlichkeit, mit der die SPD-Vorsitzende in der TV-Sendung von Markus Lanz am 13. Juni 2024 behauptete, erneuerbare Energien seien bekanntlich günstig, weil die Sonne keine Rechnung schicke<sup data-fn="5aa64880-ad8c-4ade-8b68-ad9fceff8a8d" class="fn"><a href="#5aa64880-ad8c-4ade-8b68-ad9fceff8a8d" id="5aa64880-ad8c-4ade-8b68-ad9fceff8a8d-link">1</a></sup>, trieb mich an, doch etwas dazuzuschreiben. Entweder glaubt sie immer noch selbst daran, oder sie hält einen signifikanten Teil ihrer potenziellen Wähler für davon beirrbar.</p>



<p>Ich möchte mit einem verwandten Thema beginnen. Oft hört man Klagen über den völlig überzogenen Preis eines bestimmten Produktes im Vergleich zu seinem viel geringeren Materialwert. Ist eine solche Kritik berechtigt? Ich meine, nein, niemals. Diese Kritik zeugt von einem völligen Unverständnis darüber, worin der Wert eines Produktes besteht.</p>



<p>Innerhalb des Herstellers des Produktes ist die Einteilung in Materialkosten und Lohnkosten sinnvoll. Aber wohin fließen die Materialkosten? Zu den Herstellern der entsprechenden Vorprodukte. Diese haben wiederum Material- und Lohnkosten. Für deren Materialkosten gilt dann abermals das Gleiche.</p>



<p>Am Beginn dieser Kette stehen Unternehmen, die natürliche Ressourcen verwerten, z.B. Landwirte oder Minen. Verfolgen wir die Herstellungskette eines Produktes bis an dessen Anfang zurück, bleiben nur noch Lohnkosten.</p>



<p>Der Begriff des Lohns muss hier sehr allgemein verstanden werden. Er umfasst auch den Gewinn von privaten Eigentümern und Aktionären, Zinsen, selbst Steuern (als Lohn für erbrachte staatliche Dienstleistungen) Auch Investitionen in Betriebsmittel wie Land, Gebäude oder Maschinen zähle ich der Einfachheit halber zu den Lohnkosten, denn auch deren Materialwert ist am Ende null.</p>



<p>Lohnkosten in diesem Sinne sind alle Leistungen, die an Menschen gezahlt werden.</p>



<p>Wir sehen, der Materialwert ist eine rein betriebswirtschaftliche Größe. Bei einem Produkt zwischen dessen Materialwert und sonstigen Werten zu unterscheiden, ergibt innerhalb eines Betriebes Sinn, hier sind die Materialkosten die Lohnkosten der Zulieferer. Diese Einteilung lässt sich nicht sinnvoll auf das Produkt selbst übertragen. Der Materialwert ist exakt null. Die gesamten Herstellungskosten eines Produktes sind Entschädigungen für Leute, die etwas opfern, um das Produkt herstellen zu können. Das kann deren Zeit und Gesundheit sein, die während der Arbeit verloren geht, es kann auch sein, dass jemand einen Teil seines Eigentums zur Nutzung des Produktes verwenden lässt.</p>



<p>Das dürft ihr übrigens auch bedenken, wenn mal wieder jemand vehement <em>Reparieren</em> oder <em>Recyclen</em> durchsetzen will, obwohl wegwerfen und neu machen viel einfacher und damit billiger wäre. Dieser Forderung liegt oft die Vorstellung zu Grunde, den Materialwert retten zu können.</p>



<p>Das heißt nicht, dass jeder Preis moralisch gerechtfertigt ist. Um Gerechtigkeit geht es in diesem Artikel nicht. In den Gesamtkosten sind auch u.U. Schutzgeldzahlungen oder Bestechungsgelder enthalten, und Informationsasymmetrien zwischen den Beteiligten verzerren die Preise.</p>



<p>Das ändert nichts an der zentralen Aussage dieses Artikels:</p>



<p><strong>Geld läuft immer nur zwischen Menschen um; die Natur, der Planet, Pflanzen, Tiere oder Außerirdische haben sich noch niemals an unserem Geldkreislauf beteiligt.</strong></p>



<p>Hier angekommen, fällt die Übertragung auf die ursprüngliche Frage nicht mehr schwer. Bei der Produktion von Energie gelten dieselben Überlegungen wie bei materiellen Produkten.</p>



<p>Die früheste genutzte Energiequelle war die Nahrung, die wir zu uns nehmen. Diese bestand aus Beeren, Früchten und gelegentlichem Fleisch, für das niemand eine Rechnung stellte, solange wir sie selbst beschafften. Halfen uns andere bei der Beschaffung, verlangten diese evtl. eine Gegengefälligkeit.</p>



<p>Dies änderte sich auch nicht, als die Menschen sesshaft wurden und ihre Nahrung gezielt anbauten. Nicht die Natur stellte eine Rechnung, sondern höchstens der Bauer, dessen Arbeit der Natur eine erhöhte Nahrungsmittelproduktion abrang.</p>



<p>Das Brennholz wuchs umsonst, erst das Einsammeln kostete Zeit und Mühe.</p>



<p>Fossile Brennstoffe sind das Ergebnis jahrmillionenlanger Fotosynthese. Bezahlen müssen wir für den Aufwand, sie aus dem Boden zu holen, nicht für die Entstehung. Ist schließlich Sonnenenergie.</p>



<p>Die Uran-Atomkerne für unsere ehemaligen (und zukünftigen, ich will Optimist sein) Kernkraftwerke wurden nicht von Konzernen in werkseigenen Supernovae zusammengebrutzelt, sondern in solchen außerhalb der Erde. Wir stauben sie nur ab. Ganz ohne Rechnung.</p>



<p>Wenden wir uns konkret Sonne und Wind zu. Folgende Kostenverursacher fallen mir ein:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Über den im Vergleich zu den im letzten Jahrhundert etablierten Energiequellen riesigen Flächenbedarf kann man noch diskutieren. Braunkohle-Tagebau ist auch nicht gerade flächenschonend. Die für Windenergie vorgesehene Fläche (laut Wind-an-Land-Gesetz<sup data-fn="b0b1f41f-55b8-4fa8-8748-13c4b0f6dc76" class="fn"><a href="#b0b1f41f-55b8-4fa8-8748-13c4b0f6dc76" id="b0b1f41f-55b8-4fa8-8748-13c4b0f6dc76-link">2</a></sup> sollen bis 2032 zwei Prozent der Fläche Deutschlands dafür genutzt werden, also gut 7.000 Quadratkilometer) bleibt für einige Anwendungen wie Landwirtschaft zum Großteil verfügbar. Photovoltaik-Anlagen kann man gut auf Dächern oder anderen Flächen anbringen, die sonst schlecht zu nutzen sind.<br>Dennoch ist unsere Flexibilität in Bezug auf diese Flächen eingeschränkt, was in einer Marktwirtschaft durch Kosten repräsentiert wird. Durch nicht-marktwirtschaftliche Eingriffe könnten diese Kosten weggetarnt werden, die Flächeneinschränkung bleibt.</li>



<li>Die Vielzahl an Einzelkraftwerken muss nicht nur produziert werden, sondern auch permanent gewartet und ersetzt werden.</li>



<li>Das Zusammenführen der Energie aus vielen kleinen Quellen ist aufwändiger als aus wenigen großen.</li>



<li>Die Energie aus Sonne und Wind fließt nicht stetig, sondern ungleichmäßig. Um den Verbrauchern eine stabile Versorgung zu bieten, sind erhebliche Anstrengungen zur Stabilisierung erforderlich. Neue Stromleitungen, Backup-Kraftwerke, willige Nachbarländer, die gegen Bezahlung unsere Schwankungen in der Stromproduktion ausgleichen, evtl. Speicher, basierend auf welcher Technologie auch immer. Dies alles muss entwickelt, gebaut und unterhalten werden.</li>



<li>Was die von Sonne- und Windnutzung ausgehenden Umweltschäden und Gefahren angeht, stehen wir erst am Anfang unserer Lernkurve. Umbauten und Nachrüstungen werden erforderlich sein.</li>
</ul>



<p>Zusammengefasst: Sonne und Wind erfordern stetes Bereitstellen von Ressourcen und Arbeitskraft. Dies wird in Rechnung gestellt werden. Kostenlos werden die sogenannten erneuerbaren Energien erst, wenn ein künftiger Messias grünen Wasserstoff vorbeibringt, der sich beim Aufteilen immer weiter vermehrt.</p>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading">Fazit</h3>



<p>Formal ist es korrekt, dass Sonne und Wind keine Rechnung schicken. Dennoch ist es irreführend, denn es unterstellt hinterhältig die irrige Annahme, andere Energiequellen würden eine Rechnung schicken. Anders ergäbe die Aussage keinen Sinn. Tatsächlich jedoch schickt keine Energiequelle eine Rechnung. Alle Kosten, die wir für unseren Strom bezahlen, sind ausschließlich Zahlungen an Menschen, die in irgendeiner Form daran beteiligt sind, die ursprünglich von der Natur kostenlos zur Verfügung gestellte Energie in eine für uns nutzbare Form zu bringen.</p>



<p>Wie teuer eine Energieform ist, hängt ausschließlich davon ab, wie viel Arbeit in der Nutzbarmachung dieser Energie steckt. Die jetzigen hohen Energiepreise in Deutschland sind das Resultat der vielen notwendigen Arbeit, um Sonne und Wind als Energiequelle zu nutzen.</p>



<p>Diese Irreführung beruht auf einem grundlegenden Nichtverstehen des Wesens von Geld. Geld ist keine natürliche Ressource. Geld ist der Mechanismus, mit dem die Menschen ihre gegenseitigen Verbindlichkeiten verwalten.</p>



<p>Ob denjenigen Politikern, die mit diesem Satz <em>Sonne und Wind schicken keine Rechnung</em> für die deutsche Energiewende werben, darunter immerhin der Wirtschaftsminister, dieses Verständnis selbst fehlt, oder ob sie wider besseres Wissen das Unverständnis vieler Bürger ausnutzen, das will ich gar nicht wissen. Und auch nicht darüber nachdenken, was denn schlimmer wäre.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fußnoten</h3>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="5aa64880-ad8c-4ade-8b68-ad9fceff8a8d">Ab Minute 11:30. Stand 16. August 2024 ist die Sendung noch in der ZDF-Mediathek abrufbar:<br>https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-13-juni-2024-100.html <a href="#5aa64880-ad8c-4ade-8b68-ad9fceff8a8d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="b0b1f41f-55b8-4fa8-8748-13c4b0f6dc76">https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/klimaschutz/wind-an-land-gesetz-2052764 <a href="#b0b1f41f-55b8-4fa8-8748-13c4b0f6dc76-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>


<h3 class="wp-block-heading"></h3>
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		<title>Warum wird Degrowth uns nicht retten?</title>
		<link>https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/warum-wird-degrowth-uns-nicht-retten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 May 2024 17:23:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Degrowth, also das bewusste Schrumpfen der Wirtschaft, erscheint manchem als Verlockung. Sauberes Wasser statt der Befriedigung künstlich geschaffener Bedürfnisse, mehr Freizeit für weniger Geld, kurz, ein Wohlstand des Weniger soll nicht nur der Pfad ins wahre Glück sein, sondern auch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Degrowth, also das bewusste Schrumpfen der Wirtschaft, erscheint manchem als Verlockung. Sauberes Wasser statt der Befriedigung künstlich geschaffener Bedürfnisse, mehr Freizeit für weniger Geld, kurz, ein <em>Wohlstand des Weniger</em> soll nicht nur der Pfad ins wahre Glück sein, sondern auch den Planeten vor dem Klimakollaps retten.</p>



<p>Andere sehen im Degrowth eine Art Notausgang. Sollte uns der Umbau der Wirtschaft nicht gelingen, dann müssen wir wohl oder übel in den Degrowth gehen. Dies wird teilweise noch gesteigert zum Drohmittel. <em>Wenn </em><em>w</em><em>ir jetzt nicht endlich ernst machen mit der grünen Transformation, dann müssen wir in d</em><em>en</em><em> Degrowth, und </em><em>e</em><em>s wird noch viel schmerzhafter.</em></p>



<p>In diesem Artikel geht es nicht um die Frage, was Degrowth in der Praxis bedeutet, ob er wirklich eine Steigerung des Lebensglücks bedeuten könnte, oder ob er nicht doch, wie von Kritikern behauptet, zu Not und Elend führen würde. Ein bisschen habe ich dazu in meinem früheren Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/was-ist-eine-erfindung/"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Was ist eine Erfindung?</mark></a></em> geschrieben. Hier im Fokus soll nun die Frage stehen, ob sich dieses Konzept überhaupt einführen lässt.</p>



<p>Im grünen Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl war noch kein Degrowth angekündigt. Stattdessen wurde versprochen, wir Deutschen würden der Welt jetzt beweisen, dass man klimaneutral werden und dabei reich und wirtschaftlich stark bleiben kann. Dies sollte den Rest der Welt so begeistern, dass dieser uns bald eifrig nachfolgen würde. So könne der Planet gerettet werden, und alle Menschen würden in eine glückliche Zukunft blicken.</p>



<p>Dieses Ziel scheint immer weniger erreichbar. Mehr und mehr wird klar, dass die Klimaziele nur mit schrumpfender Wirtschaft erreicht werden können, insbesondere bei gleichzeitigem Verzicht auf Kernenergie. Dabei ist der tatsächliche Wohlstandsverlust schlimmer, als in den Zahlen zum Wirtschaftswachstum ausgedrückt, denn die Menschen müssen einen erheblichen Teil ihrer Ersparnisse und ihres Einkommens ausgeben, um sich selbst klimaneutral zu machen.</p>



<p>Es sieht nicht danach aus, als wolle der Rest der Welt auf einem Degrowth-Pfad folgen. In vielen Gesellschaften ist die wahre Natur der Armut noch präsent, oder es leben noch viele Menschen, die den <em>Wohlstand des Weniger</em> am eigenen Leib erfahren haben. Deren Begeisterung hält sich in Grenzen. Solange ihnen niemand vormacht, dass man wirklich klimaneutral und wirtschaftlich stark zugleich sein kann, solange werden sie ihrer eigenen Lebenserfahrung mehr trauen als auf theoretischen Berechnungen beruhenden Versprechungen.</p>



<p>Das Klimaproblem ist ein globales. Wir müssen den Degrowth für die gesamte Menschheit durchführen, wenn er funktionieren soll.</p>



<p>Wie realistisch ist das? Kann die Menschheit den Degrowth beschließen, und wäre er wirklich zwar schmerzhaft, aber dafür die Rettung?</p>



<p><a></a> Schauen wir uns in der Welt des Jahres 2024 um. Die Nachrichten werden dominiert von Männern wie Wladimir Putin, Xi Jinping, Donald Trump, Recep Erdoğan oder den Ayatollahs des Iran.</p>



<p>Alle diese Menschen haben ein ausgeprägtes Machtstreben gemein. Ein Teil von ihnen hat eine Teilpopulation der Menschheit unter ihrer Kontrolle, andere kämpfen darum. Manche sitzen dauerhaft fest im Sattel, andere wahrscheinlich nur auf Zeit.</p>



<p>Kann sich jemand vorstellen, dass auch nur einer dieser Männer freiwillig darauf verzichtet, seine Macht auszudehnen? Gar etwas davon herzugeben? Freiwillig kürzer zu treten zu Gunsten des langfristigen Wohls anderer Völker? Ich nicht.</p>



<p>Einer dieser Männer, Wladimir Putin, schreckt nicht davor zurück, ein Nachbarland zu überfallen, und dessen Kinder entführen zu lassen, um seine eigene Teilpopulation zu stärken. So jemand soll freiwillig in seinem Land einen Degrowth einleiten?</p>



<p>Noch fühlen sich die NATO-Länder sicher vor Putin. Unsere wirtschaftliche Stärke erlaubt uns den Unterhalt eines Militärs, welches derzeit jeglichen direkten Angriff sinnlos aussehen lässt. Wie sähe dies nach einem Degrowth aus? Wir müssten auch unser Militär schrumpfen, und wären den grausamsten Diktatoren dieser Welt ausgesetzt. Unbenommen davon ist, dass diese Leute längst dabei sind, unsere Gesellschaften von innen, auf subtilere Art und Weise, anzugreifen.</p>



<p>Wenn einzelne Länder freiwillig in den Degrowth gingen, dann würden die oben aufgeführten, ihre Geschwister im Geiste und ihre Nachfolger dies ausnutzen, um ihre Teilpopulation, und damit sich selbst, zu stärken. Der Konkurrenzdruck der Teilpopulationen der Menschheit untereinander würde dafür sorgen, dass sich am Ende jene durchsetzten, die sich nicht, oder am wenigsten, am Degrowth beteiligen.</p>



<p>Verstärkt wird dies noch durch zeitliche Abhängigkeiten. Jene Teile der Menschheit, die ein paar Jahre später mit dem Degrowth beginnen, gewinnen währenddessen an relativer Stärke. Dies erlaubt ihnen, die Folgen des Klimawandels auf die Frühstarter abzuwälzen. Es steigt die Versuchung, den Selbstschrumpfungskurs gar nicht anzufangen.</p>



<p>Dieser Mechanismus ist eine konkrete Manifestation der Tatsache, dass die Menschheit kein zu bewussten Entscheidungen fähiges Wesen ist, welche ich in recht allgemeiner Form in meinem Artikel <em><a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-sind-wir/"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer sind wir?</mark></a></em> beschrieben habe.</p>



<p>Es hat keinen Sinn, darauf zu hoffen, wir Deutsche oder Europäer könnten in den Degrowth gehen, und der Rest würde uns folgen. Weder kann die Menschheit eine solche Entscheidung herbeiführen, noch wird es gelingen, alle relevanten Machthaber zu überzeugen, diesen Weg einzuschlagen.</p>



<p>Kann irgendjemand die Menschen mit Gewalt in den Degrowth zwingen, als Ultima Ratio?</p>



<p>Für gewaltsames, weltweites Degrowth bräuchten wir eine Instanz, eine Art Weltregierung, die nicht nur acht Milliarden normale Menschen daran hindert, reich zu werden oder zu bleiben. Wir bräuchten eine Weltregierung, die all die oben genannten Diktatoren unter ihre Kontrolle bringt, und diese daran hindert, die Weltregierung zu stürzen, und selbst an ihre Stelle zu treten. Die Weltregierung müsste mit ungeheuren Macht- und Überwachungsmittel ausgestattet werden.</p>



<p>Wer sollte eine solche Weltregierung einsetzen? Wer wäre für ihre Zusammensetzung verantwortlich? Wer sollte ihr die Macht verleihen, wer definiert verbindlich ihren Auftrag und kontrolliert dessen Umsetzung? Die UNO? Der Westen? Konkret, wer müsste was tun?</p>



<p>Nicht nur, dass wir keine Ahnung haben, wie man eine solche Regierung installiert.</p>



<p>Hätten wir sie irgendwie eingerichtet, bestünde die Gefahr des Machtmissbrauchs. Wer wollte eine solche Regierung daran hindern, den Klimawandel laufen zu lassen, und ihre Macht einzusetzen, die verbleibenden für Menschen geeigneten Habitate (die abgetaute Antarktis womöglich) für sich und ihre engsten Freunde und Verwandte zu besetzen, und den überwiegenden Rest der Menschen elendig verrecken zu lassen? Oder einfacher: 7 900 000 000 Menschen im Namen der Klimarettung umzubringen, den Großteil des Rests zu versklaven, um einer kleinen Oberschicht ein Leben wie Gott in Frankreich zu ermöglichen?</p>



<p>Die Erfahrung mit allgewaltigen Regierungen ist nicht vorteilhaft. In der Geschichte haben sie weit mehr Probleme geschaffen, als gelöst.</p>



<p>Aber diese Gefahr besteht nicht. Der Zerfall jeder erfolgreichen Art in sich gegenseitig bekämpfende Populationen ist ein Naturgesetz, dem sich die Menschen nicht entziehen können. Wir werden keine Weltregierung haben.</p>



<p>Schon ohne eine derart machtvolle Regierung besteht die Gefahr, dass in einzelnen Ländern diktatorische Bestrebungen begünstigt werden, im Sinne von:</p>



<p><em>Wir im Land X zwingen unsere Bevölkerung schon mal in den Degrowth, die anderen Länder werden uns unter dem Druck des voranschreitenden Klimawandels folgen müssen.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Degrowth ist eine katastrophale Idee. Das Konzept ist nicht weltweit einführbar und kann daher beim Klimaproblem nicht helfen. Als Drohung eingesetzt kann es aber regional riesigen Schaden anrichten.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Was heißt angebotsorientierte Stromversorgung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Nov 2023 05:50:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Diese unschuldige Wortkombination hört man gelegentlich in Diskussionen um die Energiewende. Sie löst spontan keine Reaktion aus, dafür klingt sie zu technisch-bürokratisch. Der Begriff erfordert eine etwas tiefere Analyse, um zu verstehen, welche Gemeinheit sich dahinter verbirgt. Hier mein Versuch.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Diese unschuldige Wortkombination hört man gelegentlich in Diskussionen um die Energiewende. Sie löst spontan keine Reaktion aus, dafür klingt sie zu technisch-bürokratisch. Der Begriff erfordert eine etwas tiefere Analyse, um zu verstehen, welche Gemeinheit sich dahinter verbirgt. Hier mein Versuch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer fordert es?</h2>



<p>Eine der Argumentationslinien der Grünen zur Verteidigung der Energiewende gegen Kritiker lautet, nur der Mix aus allen von ihnen gewünschten Maßnahmen ermögliche diese. Eine diese Maßnahmen sei die angebotsorientierte Stromversorgung.<sup data-fn="f8f11225-1672-41ab-a157-6debcc7a0bd3" class="fn"><a href="#f8f11225-1672-41ab-a157-6debcc7a0bd3" id="f8f11225-1672-41ab-a157-6debcc7a0bd3-link">1</a></sup></p>



<p>Der Begriff kann variiert werden, manchmal ist beispielsweise von <em>angebotsorientierter Strombepreisung</em> oder, besonders verlogen, von <em>virtuellen Speichern</em> die Rede.<sup data-fn="1900b857-1483-46a8-b4f1-c0d7dfcaffe4" class="fn"><a href="#1900b857-1483-46a8-b4f1-c0d7dfcaffe4" id="1900b857-1483-46a8-b4f1-c0d7dfcaffe4-link">2</a></sup></p>



<p>Allen Varianten gemein ist, dass sie verstecken, welche Art Einschränkungen darin verborgen sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ist es?</h2>



<p>Im Wesentlichen heißt das, dass die Strompreise sich sehr viel flexibler marktgerecht verändern, je nach Angebot und Verbrauch. Dies wird erforderlich, weil wir – im Gegensatz zu heute – keine schnell regelbaren Stromerzeuger haben werden, die sich sekundengenau dem Verbrauch anpassen können. Stattdessen setzen wir auf Stromquellen, die sich den Teufel um den Verbrauch kümmern, sondern selbst mal mehr mal weniger erzeugen, ohne sich groß beeinflussen zu lassen. In Zukunft muss der Stromverbrauch sich an der erzeugten Menge orientieren, und hier, wo es um das Überbringen der Unannehmlichkeiten an die Menschen geht, erinnern sich die Grünen der Marktwirtschaft. Der Preis soll die Leute zwingen, ihren Verbrauch jederzeit an die erzeugte Menge anzupassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer wird den Strom aus den staatlichen Energiespeichern bekommen?</h2>



<p>Natürlich gibt es ein paar Reserven in Form von Wasserkraft oder ähnlichen Systemen. Diese sind aber viel zu gering, um uns über den Winter zu bringen. Die Reserven werden vom Staat den absolut lebensnotwendigen Verbrauchern zugeteilt werden. Krankenhäuser, Polizei, Bundeswehr, Behörden, evtl. Eisenbahnen und einige nicht abschaltbare Industrieanlagen werden sich um die spärlichen Reserven balgen. Privatleute und die meisten Firmen werden leer ausgehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was wird praktisch passieren?</h2>



<p>Arbeitszeiten werden noch flexibler: Zukünftig wird gearbeitet, wenn der Strom billig ist, oft dann, wenn das Wetter schön ist. Außerdem müssen wir diese Phasen dazu nutzen, um Wäsche zu waschen, Geschirr zu spülen, Staub zu saugen, oder sonstige stromfressende Tätigkeiten zu erledigen.</p>



<p>Den Jahresurlaub werden viele in der dunklen, energiearmen Jahreszeit nehmen müssen.</p>



<p>Bei schlechtem Wetter werden wir untätig und gelangweilt zuhause sitzen. Firmen werden uns heimschicken, und die Angestellten im Home-Office schließen den Firmen-Laptop auch lieber nicht in Zeiten des besonders teuren Stroms an ihre Privatsteckdose an.</p>



<p>Keiner sollte glauben, der Gesetzgeber würde ihn vor Sonn- und Feiertagsarbeit beschützen. Der Hinweis der Arbeitgeber auf die internationale Konkurrenz, die Angst vor Arbeitslosigkeit durch wegziehende oder insolvent gewordene Unternehmen, vor allem aber der Klimaschutz-Aspekt, der verlangt, den Strom dann zu verbrauchen, wenn er mit Sonne und Wind produziert werden kann, werden alle Schutzgesetze in dieser Hinsicht niederreißen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie teuer wird es werden?</h2>



<p><em>Seien wir erst mal pessimistisch.</em></p>



<p>Keine Energiespeichertechnik wird rechtzeitig entwickelt und im großen Stil ausgebaut werden können, Kernkraft wird europaweit abgeschaltet, wie von deutschen Umweltschützern gefordert.<sup data-fn="29f27fc5-f901-417a-a40f-ec6ae27e1926" class="fn"><a href="#29f27fc5-f901-417a-a40f-ec6ae27e1926" id="29f27fc5-f901-417a-a40f-ec6ae27e1926-link">3</a></sup></p>



<p>Angebotsorientierte Stromversorgung heißt: Das Angebot ist fix, durch Wind und Wetter von außen vorgegeben und steigt auch nicht, wenn die Leute bereit wären, mehr für den Strom zu zahlen. Der Preis regelt sich so ein, dass genau das an Strom verbraucht wird, was produziert werden kann.</p>



<p><strong>Wenn null Strom produziert wird, steigt der Preis so weit, bis jeder seinen Verbrauch auf null gesenkt hat.</strong></p>



<p>Es wird so teuer, dass jeder ohne eigenen Stromspeicher komplett auf Strom verzichtet. Nicht nur kein Fernsehen, kein Gaming-PC und kein Internet (Router brauchen auch Strom), sondern auch kein Licht, keine Heizung, keine Schlafapnoe-Maske, kein Kühlschrank. Ein paar Leute werden versuchen, im Schein einer Kerze ein gutes altes Buch zu lesen, und sich einreden, dies wäre viel schöner als das moderne Leben mit dem ganzen Technik-Schnickschnack. So verlangt es der opportune, grün-naturromantische Zeitgeist.</p>



<p>Brennende, rapide in der Sehkraft nachlassende Augen werden schnell klarmachen, was sie von dieser Schnapsidee halten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer wird fein raus sein?</h2>



<p>Wer im idealerweise viel zu großen eigenen Haus lebt, hat es relativ gut. Weitsichtig war es, bei der Eigenheimplanung den Fall anzunehmen, dass mehrere Verwandte gleichzeitig Unterschlupf finden müssen, oder später alle Kinder mit ihren Familien bei den Eltern einziehen. Die überflüssigen Gäste- und Kinderzimmer und den ungenutzten Keller kann man jetzt mit Batterien, Wasserstoffspeichern oder exotischen Gerätschaften aus der Bastlerszene vollstopfen.<sup data-fn="85bd69a6-fad7-486f-95c4-5f49e1b1d6fe" class="fn"><a href="#85bd69a6-fad7-486f-95c4-5f49e1b1d6fe" id="85bd69a6-fad7-486f-95c4-5f49e1b1d6fe-link">4</a></sup> Dann hat man in der Dunkelflaute wenigstens genug Strom für das gewohnte Leben mit elektrischem Licht, TV, Internet, etc., und kann sich dabei in der Vorstellung laben, gerade aktiv die Welt zu retten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wen wird es hart treffen?</h2>



<p>Leiden wird, wer aus unterschiedlichen Gründen keinen eigenen Energiespeicher haben kann, z.B. aus Platzmangel.</p>



<p>Ich selbst gehöre wahrscheinlich nicht zur ärmeren Hälfte in diesem Land, dennoch wüsste ich nicht, wo ich nennenswerte Energiespeicher unterbringen könnte. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus und mein Kellerabteil ist ganze sechs Quadratmeter groß. Darin befinden sich bereits ein bis zwei Fahrräder, Wasservorräte und v.a. all die Bücher, die als Rentner zu lesen ich mir vorgenommen habe, idealerweise nicht im Kerzenlicht. Einen größeren Lithium-Ionen-Akku oder einen Druckluft-Energiespeicher bringe ich da nicht mehr hinein.</p>



<p>Blöd war es, durch genau passende Größenwahl meiner Eigentumswohnung so wenig wie möglich zum Flächenverbrauch in diesem Land beitragen zu wollen.</p>



<p>Wer als Verkäufer nach Ladenschluss im Winter klimagerecht mit dem Fahrrad heimfährt, womöglich feucht und ausgekühlt in seiner kleinen kalten Wohnung ankommt, der braucht nicht zu glauben, er könne sich jetzt ein warmes Essen zubereiten, oder auch nur warm duschen.</p>



<p>Im Winter früh vor dem Gang zur Arbeit noch einen Kaffee kochen? Nix da, Strom ist jetzt viel zu teuer!</p>



<p>Und Platz ist nur das eine Problem, selbstverständlich sind größere Energiespeicher teuer in Anschaffung und Unterhalt. Energiequellen können zerstörerisch wirken, das liegt im Wesen der Energie. Die Speicher müssen, um sicher zu bleiben, regelmäßig gewartet und nachgerüstet werden. Jede durch Lithium-Batterien ausgelöste größere Brandkatastrophe, jede Knallgasexplosion eines Wasserstofftankes wird zu neuen Sicherheitsstandards führen, teilweise mit Nachrüstzwang.</p>



<p>Arme Leute werden auch aus Kostengründen keine Energiespeicher zur Verfügung haben und sich der Diktatur der angebotsorientierten Stromversorgung hilflos ausgeliefert sehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Etwas Optimismus zum Schluss</h2>



<p>Übertriebene Schwarzmalerei soll den Klimaschützern vorbehalten bleiben. Wir wollen unsere explizit pessimistischen Annahmen nicht vergessen. Diese werden nicht eintreten. Zwar wird es tatsächlich auf absehbare Zeit keine billige gespeicherte Energie geben. Diese Speicher müssen erst in großer Menge da sein, bevor ich an sie glaube.</p>



<p>Es wird jedoch Kernenergie geben. Die meisten Völker sind pragmatischer als das deutsche. Sie werden im Laufe der nächsten Jahre viele neue KKW’s bauen. Das europäische Verbund-Stromnetz wird dann auch für uns das Schlimmste verhindern.</p>



<p>Wir brauchen auch keine Angst davor zu haben, die Uranreserven würden nur für 30 Jahre reichen. Hierbei handelt es sich um einen alten Irrtum, den viele Linke seit Jahrzehnten bei allen möglichen Ressourcen gerne begehen, heimlich darauf hoffend, das kapitalistische Wirtschaftssystem möge daran zerbrechen. Sie verwechseln die existierenden Vorräte mit den bekannten Vorräten und übersehen dabei, dass niemand sich die Mühe und Kosten macht, weiter zu suchen, wenn auf absehbare Zeit ausreichende Lagerstätten bekannt sind.</p>



<p>Auch die horrenden Schwierigkeiten der Atommüll-Entsorgung sind hausgemacht. Nach Jahrzehnten grüner Gehirnwäsche haben wir in Deutschland hysterisch die Sicherheitsvorschriften für Endlager auf ein absurdes Niveau angehoben, eben genau in der Absicht, die Kernenergie unbezahlbar zu machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Angebotsorientierte Stromversorgung trägt nichts zur Linderung des Strommangels bei, sondern ist das marktwirtschaftlich verklausulierte Eingeständnis des kommenden Wohlstandsverlustes. Der Begriff ist ein Euphemismus für Armut. Nicht die erneuerbaren Energiequellen werden uns vor dem Übelsten schützen, sondern die Vernunft unserer Kernenergie nutzenden Nachbarn.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="f8f11225-1672-41ab-a157-6debcc7a0bd3">Zum Beispiel in der Rede der grünen Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl im Deutschen Bundestag vom 14. April 2021. <a href="https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7514774#url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk/dmlkZW9pZD03NTE0Nzc0&amp;mod=mediathek">Hier</a> abrufbar. <a href="#f8f11225-1672-41ab-a157-6debcc7a0bd3-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="1900b857-1483-46a8-b4f1-c0d7dfcaffe4">In der Phoenix-Sendung <em>Unter den Linden Die Energiewende: Ökologisch notwendig, ökonomisch gefährlich?</em> Am 18. November 2023 war diese Sendung in der ARD-Mediathek noch aufrufbar. <a href="#1900b857-1483-46a8-b4f1-c0d7dfcaffe4-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="29f27fc5-f901-417a-a40f-ec6ae27e1926">Quelle: <a href="https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Nukleare_Sicherheit/12_punkte_atomausstieg_bf.pdf">Dokument des Bundesumweltministeriums vom 11. März 2021</a>; Fairerweise muss angemerkt werden, dass zu diesem Zeitpunkt die Grünen nicht in der Regierungs-Verantwortung waren. <a href="#29f27fc5-f901-417a-a40f-ec6ae27e1926-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 3 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="85bd69a6-fad7-486f-95c4-5f49e1b1d6fe"><a href="https://www.wiwo.de/technologie/green/energie-erfinder-bauen-druckluftspeicher-fuer-den-keller/13545664.html">Beispiel eins</a>; <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dlChHc_9bV4">Beispiel zwei</a> <a href="#85bd69a6-fad7-486f-95c4-5f49e1b1d6fe-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 4 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Was ist eine Erfindung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 13:19:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Not macht erfinderisch, sagt man. Aber stimmt es? Ferne Vergangenheit Manchmal male ich mir aus, wie die Domestizierung des Hundes abgelaufen sein könnte. Szenario eins: Der Hunger ist groß, ein Wolfsrudel hat dem Wildbeuterstamm mal wieder die Beutetiere vertrieben. Eisiger]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Not macht erfinderisch, sagt man. Aber stimmt es?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ferne Vergangenheit</h2>



<p>Manchmal male ich mir aus, wie die Domestizierung des Hundes abgelaufen sein könnte.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Szenario eins:</h4>



<p><em>Der Hunger ist groß, ein Wolfsrudel hat dem Wildbeuterstamm mal wieder die Beutetiere vertrieben. Eisiger Wind sägt über die nahe Bergkette. Die Vorräte an Beeren sind nach dem langen Winter zu Ende, die Kinder schreien vor Hunger und Kälte.</em></p>



<p><em>Die Ältesten setzen sich zusammen, beratschlagen viele Stunden und entwickeln in dieser höchsten Not den Meisterplan. Sie würden aus dem Wolf durch Entführung und gezielte Selektion ein Wachtier züchten, das ihnen zukünftig dabei helfen würde, den Stamm vor nahenden Wolfsrudeln zu warnen. Die Aussicht darauf lindert sofort den Hunger, und ein paar Jahrhunderte später ist das Problem gelöst.</em></p>



<p>Etwas unrealistisch, oder?</p>



<h4 class="wp-block-heading">Szenario 2:</h4>



<p><em>Satt bis vollgefressen sitzen die Stammesmitglieder am Feuer und lauschen dem fernen Geheul der Wölfe, denen sie soeben fette Beute weggeschnappt haben. Ein einzelnes, verirrtes Wolfsbaby nähert sich hungrig und mit großen, ängstlichen Augen den Resten, die die Menschen nicht mehr haben essen können. Sei es aus Trägheit oder gar Mitleid, die Menschen lassen es gewähren. In der Folge bleibt das Wölflein in der Nähe, und irgendwann erkennen die Menschen, dass es immer, wenn fremde Wölfe in der Nähe sind, bellende Laute von sich gibt. Sie begreifen den Nutzen, sorgen dafür, dass auch in Zukunft immer mindestens ein junger Wolf in ihrer Nähe ist. Sie locken sie sogar mit gezielt liegen gelassenen Futterresten an.</em></p>



<p><em>Eine neue Ökonische ist entstanden, in der Wölfe dadurch überleben, dass sie ihr kleinkindliches Gebell auch als Erwachsene beibehalten.</em></p>



<p>Nicht mal ich bin alt genug, dabei gewesen zu sein, als die Menschen den Hund domestizierten, aber in meiner Fantasie ist es eher wie in Szenario 2 abgelaufen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nahe Vergangenheit</h2>



<p>Die Sahelzone ist nicht nur aktuell wieder ein Krisengebiet, sie war es auch schon in meiner Kindheit. Sahelzone, dieses Wort war damals ein Synonym für ständige Dürren und Hungersnöte.</p>



<p>Indien hatte zu jener Zeit etwa halb so viele Einwohner wie heute, und von denen lebten ca. 80% in bitterster Armut.</p>



<p>Weder die Sahelzone, noch Indien, noch die anderen Armenhäuser des Planeten der 1970er Jahre waren die Innovationstaktgeber der Menschheit. Wer gerade so über die Runden kommt, der probiert nicht einfach mal schnell aus, ob es auch anders geht. Denn wenn es anders nicht geht, dann ist er tot.</p>



<p>Stattdessen war Kalifornien eines der Zentren der menschlichen Fortschrittskraft. Die Not war dort eher gering. Vielmehr herrschte dort Überfluss, und viele Kalifornier hatten kein schlechtes Gewissen, diesen Überfluss auszuleben.</p>



<p><strong>Es scheint, dass eher Überfluss und Müßiggang die Quelle neuer Technologien sind.</strong> Warum ist das so? Zwei Gründe nenne ich.</p>



<h4 class="wp-block-heading">1. Die Inspiration</h4>



<p>Im Deutschen gibt es das schöne Wort Erfindung. Darin steckt das Verb <em>finden</em>, und das ist sehr zutreffend. Am Anfang einer Innovation steht etwas, das gefunden werden muss, das also bereits da ist, und uns nur noch nicht bekannt war. Eine neue Technologie (und auch der Hund ist im weiteren Sinn eine Technologie) kann man nicht einfach entwickeln, nur weil man sie dringend braucht. Sie werden da entwickelt, wo ein bisher unbekannter Natur-Mechanismus gefunden worden ist. Zum Zeitpunkt der Entwicklung weiß man oft noch gar nicht, wozu das später gut werden kann.</p>



<p>Wenn ich als Kreuzfahrt-Passagier aus Angst vor dem sicher scheinenden Schiffsuntergang von Bord springe, dann hilft es unter Umständen nichts, meine Suche nach einer nahen Insel zu intensivieren, bis ich eine finde. Große Not hilft mir nichts, wenn einfach keine Insel in der Nähe ist.</p>



<h4 class="wp-block-heading">2. Die Transpiration</h4>



<p>Das wäre schon schlimm genug, aber wie von Edison einst sinngemäß gesagt, ist die Intuition, also die Idee, das <em>Finde</em><em>n</em>, erst der Anfang. Danach kommt die harte Arbeit. Eine Idee ist noch lange keine Großserien-Technologie, mit der man Millionen Menschen beglücken kann.</p>



<p>Betrachten wir ein Beispiel aus nicht ganz so ferner Vergangenheit: Die Eisenbahn.</p>



<p>Die ersten Schienen waren aus Gusseisen, welches unter der Last häufig zerbröselte.</p>



<p>Über die CO<sub>2</sub>-Bilanz der frühen Dampfloks mag ich gar nicht nachdenken. Würden wir den heutigen Zugverkehr mit diesen Loks machen, bräuchten wir uns um den Klimawandel evtl. nicht mehr zu sorgen, weil die Erde längst durcherhitzt wäre. Oder die Rußwolken hätten die Sonne verdunkelt, und alles wäre erfroren. Ich weiß es nicht, ehrlich gesagt.</p>



<p>Entlang der Strecken brachen immer wieder durch Funken ausgelöste Feuer aus.</p>



<p>Züge fuhren im <em>Zeitabstand</em>. Das heißt: Die Fahrdienstleiter schickten einen Zug dann aufs Gleis, wenn sie glaubten, der vorausfahrende habe nun genügend Vorsprung. Blieb der wegen einer Panne oder sonst einem Grund liegen, kam es zu Auffahrunfällen, oft mit vielen Toten.</p>



<p>Die ersten Bahnlinien waren Verbindungen von Punkt zu Punkt mit einem Kopfbahnhof an jedem Ende.</p>



<p>Die Technologie Eisenbahn wurde trotz der zahlreichen Probleme weiterentwickelt. Die Gusseisen-Schienen wurden durch stählerne ersetzt. Die Dampfloks bekamen nicht nur Funkenfänger an den Schornsteinen oder in die Rauchkammern, sie wurden effizienter und später durch noch effizientere Diesel- und E-Loks ersetzt. Fahren im Zeitabstand wurde durch das Blocksystem mit ausgefeilten Semaphoren und Signaltechniken abgelöst.</p>



<p>Die Kosten an Zeit, Material, Umwelt und Menschen waren beträchtlich, aber es war leistbar, weil das System langsam wuchs. Die Gusseisenschienen wurden ersetzt, bevor man zig-Tausend Kilometer davon verlegt hatte. Von den ineffizientesten Dampfloks fuhren insgesamt nur so wenige, dass das Klima nicht sofort umkippte. Die Sicherheits-Vorschriften waren mit Blut geschrieben, aber sie wurden geschrieben, bevor der Blutzoll durch den gewachsenen Zugverkehr unerträglich geworden war.</p>



<p>Über manche Kopfbahnhöfe ärgern wir uns auch heute noch. Wir hätten noch viel mehr davon, wenn wir die Technologie Eisenbahn mit der Brechstange durchgesetzt hätten.</p>



<p>Die Entwicklung der Eisenbahn war teuer und langwierig, dabei war es der Gutfall. Immerhin haben wir jetzt eine Eisenbahn. Garantieren lässt sich sich der Erfolg einer neuen Technologie im Allgemeinen nicht. Wer den Versuch startet, eine Technologie zu erfinden und im großen Stil auszurollen, der geht eine hohes Risiko ein, dass am Ende nichts als verschwendete Ressourcen stehen. Deshalb werden neue Technologien in Gesellschaften entwickelt, die sich die Fehlschläge leisten können, ohne in Existenznot zu geraten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gegenwart und nahe Zukunft</h2>



<p>Bei der Klimaneutralisierung unserer Energieversorgung gibt es noch, beschönigend ausgedrückt, Herausforderungen. Wir wollen im großen Stil auf nur zwei Energiequellen zurückgreifen, die nicht nur einen hohen Flächenbedarf und einen mittelalterlichen Erntefaktor haben, sondern zusätzlich eine Energiespeicherfähigkeit brauchen, die wir Stand 2023 nicht haben.</p>



<p>Ja, es gibt Ideen. Die meisten davon taugen allerdings nur zum Abdecken kurzer Lastspitzen für kleine Verbraucher. Zum Beispiel gibt es das Konzept, riesige Kunststoffblasen auf dem Meeresgrund auszulegen, diese in Zeiten des Energieüberschusses mit Wasser aufzufüllen, und die im Wasserdruck (genauer im Gewicht des um eine Winzigkeit angehobenen Wassers außerhalb der Blase) gespeicherte Energie dann über Turbinen zurückholen zu können. Stichwort Ocean Grazer<em> </em>bzw<em>.</em> deren<em> Ocean Battery</em>.<sup data-fn="83298ca0-b241-492b-92f4-b22e4daf0f9d" class="fn"><a href="#83298ca0-b241-492b-92f4-b22e4daf0f9d" id="83298ca0-b241-492b-92f4-b22e4daf0f9d-link">1</a></sup> Puuh! Mir scheint das ein extremer Aufwand für einen Unterwasser-Speicherstausee – oder sollte ich vom Stauweiher reden?</p>



<p>Eine Abschätzung der speicherbaren Energiemenge ist kein Hexenwerk. Baut man die Blase in z.B. 100 Meter Meerestiefe, dann hat man die Energiemenge eines Speicherstausees mit eben diesen 100 Metern Fallhöhe und dem Volumen der Blase. Hier ist von typisch 20.000 Kubikmetern die Rede, das wären etwa zehn Freibäder voll (50 Meter lang, 20 Meter breit, zwei Meter tief) Mithin ein winziges Speicherkraftwerk. Die Energiemenge darin könnte bei 40% Wirkungsgrad etwa meinen persönlichen Haushaltsstrom für ein Jahr decken.</p>



<p>A propos: Generell sind oberirdische Speicher-Stauseen eine etablierte Technik. Sie haben um Größenordnungen mehr Volumen als die Ocean Battery. Aber auch sie haben eine winzige Kapazität im Verhältnis zum Bedarf. Plausible Berechnungen zeigen, dass wir alleine für Deutschland das komplette Potenzial Norwegens bräuchten<sup data-fn="ef0dc9dc-7085-49c4-a5b9-40d64a987bf9" class="fn"><a href="#ef0dc9dc-7085-49c4-a5b9-40d64a987bf9" id="ef0dc9dc-7085-49c4-a5b9-40d64a987bf9-link">2</a></sup>. Für die Norweger würde es dann wohl auch noch reichen, aber wir haben doch ein globales Problem. Wie viele Norwegens brauchen die USA und China und wo finden sie die? Zur Erinnerung: Norwegen hat eine sehr spezielle Geografie, die wie für Speicherstauseen geschaffen ist. Mir ist jedoch nur ein einziges Norwegen bekannt. Aber vielleicht sind meine Atlanten veraltet.</p>



<p>Am realistischsten ist sicherlich der grüne Wasserstoff. Ignorieren wir mal den schlechten Wirkungsgrad und die Tatsache, dass man zur Erzeugung von grünem Wasserstoff meines Wissens schon eine konstante Energieversorgung benötigt (also das, was man eigentlich durch diese Technik erst erreichen will)</p>



<p>Dann bleibt für die aufzubauende Wasserstofftechnologie, wie auch für die Energie-Quellen Wind und Sonne das Problem, dass wir eigentlich Zeit bräuchten, diese langsam einzuführen. Die Einführung wird genau die Probleme hervorbringen, die auch die Eisenbahn hatte: Herstellungsprobleme, falsches Material an der falschen Stelle, Haltbarkeitsprobleme, Wirkungsgradprobleme, Umweltprobleme, Sicherheitsprobleme.</p>



<p>Jeweils zehn Jahre später werden wir wissen, wie es besser gegangen wäre, aber da wir im großen Stil eingestiegen sind, stehen wir dann vor einer Unmenge schlechter Gerätschaften, die kaputt gehen, die ineffizient arbeiten, die gefährlich sind. Wir werden sehr schnell nicht mehr die Ressourcen haben, all den Schrott umzurüsten oder auszutauschen. Zumal das, nebenbei gesagt, auch jedes mal klimaschädliche Gase erzeugt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p>Die Sache mit den Erfindungen und der Technologie-Entwicklung hat eine positive Rückkopplung. Hat eine Gesellschaft erst einmal ein paar Überschüsse errungen, kann sie durch die Entwicklung neuer Technologien, trotz der vielen unvermeidlichen Rückschläge, ihren Überschuss steigern, und damit noch mehr in Versuche investieren, neue Dinge zu erfinden. Irgendwann stoppen andere Effekte diesen schönen Trend.</p>



<p>Umgekehrt ist es ein Teufelskreis. Eine am Minimum angekommene Gesellschaft kann nicht mehr mit Ideen herumspielen, von denen die Mehrheit nicht funktionieren wird. Stattdessen wird sie vermutlich darauf setzen, so viele Kinder zu gebären, dass wenigstens pro Familie ein oder zwei ins gebärfähige Alter kommen. Sie wird permanent auf diesem Niveau von Not und Elend verharren.</p>



<p>Der Vorschlag, doch erst mal die bestehenden Probleme zu lösen, bevor man sich dem kurzfristig Unnötigen, gar dem Müßiggang, hingibt, ist ehrenwert und alt. Schon in meiner Kindheit versuchten besorgte Erwachsene, mir die Faszination für Raumfahrt zu vergällen, indem sie penetrant darauf hinwiesen, welch unsägliche Verschwendung es doch sei, Menschen für viel Geld zum Mond fliegen zu lassen, während in Afrika jedes Jahr Millionen Kinder verhungerten. Man solle erst mal die Probleme auf der Erde lösen, ehe man nach den Sternen greift.</p>



<p>So funktioniert es aber nicht. Man kann nicht mit Gewalt die Probleme lösen, die man lösen möchte, weil sie besonders dringend scheinen. Nicht überall, wo man sucht, findet man auch etwas. Man kann lediglich an den Stellen, wo etwas gefunden wurde, versuchen, daraus eine neue Technologie zu entwickeln, mit der sich dann, völlig unverhofft, Probleme lösen lassen, an die zunächst gar nicht gedacht wurde. Das braucht aber nicht nur Geld und guten Willen, sondern viel Zeit.</p>



<p>Ich fasse zusammen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Not macht nicht erfinderisch, Not verhindert im Gegenteil Erfindungen und das Weiterentwickeln zu neuen Technologien</li>



<li>Die gewaltsam schnelle Einführung von Technologien wird genau zu dieser Not führen.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Fußnoten</h2>


<ol class="wp-block-footnotes"><li id="83298ca0-b241-492b-92f4-b22e4daf0f9d">https://oceangrazer.com/ <a href="#83298ca0-b241-492b-92f4-b22e4daf0f9d-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 1 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li><li id="ef0dc9dc-7085-49c4-a5b9-40d64a987bf9">Z.B. so: Gemäß <a href="https://energien-speichern.de/erdgasspeicher/gasspeicherkapazitaeten/">INES</a> beträgt die Energiespeicherkapazität aller deutschen Gasspeicher 250 Terawattstunden. Das entspricht der potenziellen Energie von ca. 80 Kubikkilometern Wasser in einem Kilometer Höhe! Und diese Energiemenge reicht bekanntlich nicht, um uns über einen Winter zu bringen. <a href="#ef0dc9dc-7085-49c4-a5b9-40d64a987bf9-link" aria-label="Zur Fußnotenreferenz 2 navigieren"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/16.0.1/72x72/21a9.png" alt="↩" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />︎</a></li></ol>]]></content:encoded>
					
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		<title>Verrückte Vorratshaltung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Sep 2023 09:20:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Vorratshaltung ist eine geniale Sache. Es ist keine menschliche Erfindung, denn auch Pflanzen und Tiere betreiben zum Teil erhebliche Vorratshaltung. Es ist ein uraltes Konzept. Vorratshaltung ist das Parade-Beispiel für langfristiges, vorausschauendes Handeln. Wir gönnen uns in der Gegenwart ein]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vorratshaltung ist eine geniale Sache. Es ist keine menschliche Erfindung, denn auch Pflanzen und Tiere betreiben zum Teil erhebliche Vorratshaltung. Es ist ein uraltes Konzept.</p>



<p>Vorratshaltung ist das Parade-Beispiel für langfristiges, vorausschauendes Handeln. Wir gönnen uns in der Gegenwart ein weniger gutes Leben, und haben dafür Reserven für die Zukunft. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.</p>



<p>Wie jedes nützliche Konzept kann man auch dieses übertreiben. Einige Religionen z.B. versprechen uns reichliche Belohnung im Jenseits, also in der Zukunft nach unserem Ableben, wenn wir unser ganzes diesseitiges Leben ärmlich und karg verbringen. Vorratshaltung ist hier zum Selbstzweck verkommen.</p>



<p>Vorratshaltung ist sinnvoll für einzelne Lebewesen und für begrenzte Gemeinschaften. Aber ist es sinnvoll für die ganze Menschheit? Und über welche Zeiträume ist Vorratshaltung sinnvoll?</p>



<p>Was hätten die alten Römer wohl auf die Seite gelegt? Schwerter und Schilde? Marmor? Hätten sie womöglich noch mehr Wälder in eroberten Gebieten abgeholzt, um auf Vorrat Segelschiffe zu bauen?</p>



<p>Viel wäre das heute nicht mehr wert. Vorräte können veralten und wertlos werden. Dann hat man verschwendet.</p>



<p>Vor 150 Jahren hätten die Menschen eventuell riesige Kohlehalden auf Vorrat angelegt, und vor 70 Jahren gewaltige Uranmengen. Okay, das letzte könnte durchaus wieder aktuell werden.</p>



<p>Die Pflanzen haben riesige Energiespeicher angelegt, die im Erdboden versunken sind und zu Erdöl verpresst wurden. Das war sicher nicht der Plan der Pflanzen.</p>



<p>Zeitlich übertriebene Vorratshaltung wird zur Verschwendung. Aber das ist nicht das einzige, was falsch laufen kann.</p>



<p>Viele Gesellschaften zu allen Zeiten haben Tempel gebaut in der festen Erwartung, Gott würde sie dafür nicht nur abstrakt belohnen, sondern sehr konkret mit besseren Ernten. Auch das ist eine Form der Vorratshaltung. Bringe im Jetzt ein Opfer für eine bessere Zukunft. Aber so funktioniert das nicht.</p>



<p>Ein Einzelner, ein Unternehmen, eine Stadt, ein Staat können Guthaben aufbauen. Dieses Guthaben ist ein Anspruch an andere Menschen oder Gemeinschaften. Das Konzept funktioniert hier, weil wir die berechtigte Erwartung haben dürfen, unser Guthaben irgendwann auch einlösen dürfen. Voraussetzung ist, dass unsere Partner ähnliche ethische Standards einsetzen wie wir selbst. Das gilt für einzelne Menschen und für menschliche Gesellschaften, die Strukturen entwickelt haben, die darauf achten, dass diese Standards eingehalten werden.</p>



<p>Mit Gott ist so etwas nie möglich gewesen, weswegen sämtliche Tempelbauten und Opfergaben an ihn sinnlos waren.</p>



<p>Die Erfindung des Geldes hat uns nicht nur bei der Arbeitsteilung erheblich weitergebracht, sie hat auch die individuen&#8211; und gemeinschafts&#8211;übergreifende Vorratshaltung verbessert. Nach den inneren Vorräten, die Lebewesen z.B. in Form von Fettpölsterchen anlegen, den äußeren Vorräten, für die z.B. Lagerhallen, Öltanks, oder von Hunden vergrabene Knochen stehen, ist dies eine weitere Stufe der Bevorratung.</p>



<p>Die nicht-menschlichen Lebensformen haben, so weit wir wissen, keine Strukturen, die es erlauben, sie in unsere Vorratshaltung einzubeziehen. Sie haben keine Staaten, keine Regierungen, nichts, das sie dazu bringen könnte, uns je etwas zurückzugeben als Gegenleistung für das, was wir ihnen vorher gegeben haben. Wir können keine Verträge schließen und keinen Handel mit ihnen treiben.</p>



<p>Verzicht zu ihren Gunsten ist so sinnlos wie Opfergaben zu Gunsten eines Gottes.</p>



<p>Die Menschheit kann Tiere und Pflanzen, die sog. Natur nicht in ein übergreifendes System der Vorratshaltung einbeziehen, weil wir uns nicht auf ein gemeinsames Regelwerk mit ihnen verständigen können. Außer wir unterwerfen sie so weit, dass wir alle Entscheidungen treffen, wie wir es bei Haustieren und Nutzpflanzen tun. Damit sind sie eine Ressource, aber kein Partner.</p>



<p>Vorratshaltung funktioniert also nur unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Sie darf nicht zu weit in die Zukunft gerichtet sein</li>



<li>Alle in das System einbezogenen Partner müssen nach ähnlichen Regeln agieren.</li>
</ol>



<p>Gute Ideen können nicht nur übertrieben, sondern auch missbraucht werden.</p>



<p>Der sog. <em>Ökologische Fußabdruck</em> ist ein Beispiel dafür, wie die Übersteigerung des Prinzips der Vorratshaltung missbraucht wird. Der ökologische Fußabdruck ist kurz gesagt der Flächenverbrauch eines Menschen. Über seine Berechnung gäbe es auch noch viel zu sagen, aber nicht in diesem Beitrag. Hier geht es um den Begriff des <em>Ver</em>brauches mit der Betonung auf der Vorsilbe.</p>



<p>Die Vorstellung ist, dass jeder Mensch mit jeder Handlung, z.B. dem Verzehr eines Stückes Fleisch oder einer Autofahrt eine bestimmte Fläche verbraucht. Außerdem stellt uns die Natur jährlich eine bestimmte Fläche zur Verfügung.</p>



<p>In diesem Bild ist die Summe aller Flächen, die die Menschen jedes Jahr verbrauchen leider höher als die, die uns die Natur zur Verfügung stellt. Das ist, wie wenn man jeden Monat mehr Geld verbraucht als man von seinem Arbeitgeber überwiesen erhält, und die Folge ist klar: Erst werden die Ersparnisse aufgezehrt, danach rutscht das Konto in die roten Zahlen, und irgendwann hat man die letzte Kreditlinie überschritten, Strom und Wasser werden abgestellt, man kann sich nichts mehr zu essen kaufen, fliegt aus seiner Wohnung und erfriert zuletzt unter irgendeiner Brücke. Das ist das Schicksal, das uns Menschen bevorsteht, wenn wir nicht endlich wieder das Prinzip der Vorratshaltung ernst nehmen, und weniger ausgeben, als wir einnehmen.</p>



<p>Das ganze Konstrukt ist blühender Unsinn.</p>



<p>Denn tatsächlich handelt es sich nicht um einen <em>Ver</em>brauch, sondern um einen <em>Ge</em>brauch. Wenn ich in einer 70-Quadratmeterwohnung lebe, sagt niemand, dass ich jedes Jahr 70 qm verbrauche, und zu Beginn eines jeden Jahren aber wieder 70 qm geschenkt bekomme, um sie wieder im Laufe des Jahres verbrauchen zu dürfen. Und erst recht käme niemand auf die absonderliche Idee, ich würde jedes Jahr 100 qm meiner Wohnung verbrauchen, während diese mir nur 70 qm zugesteht.</p>



<p>Und wenn doch, dann würde man mich zu meiner brillianten Raumausnutzung beglückwünschen.</p>



<p>Die Erdoberfläche ist einfach da und wir leben auf ihr gemeinsam mit allen anderen Lebewesen. Wir verbrauchen nichts davon. Es ist auch nicht so, dass ein Quadratmeter, den wir Menschen bewohnen, für alles andere Leben unbenutzbar geworden wäre. Anderes Leben ist immer noch da, und wir stehen in permanentem Austausch von vielerlei Substanzen mit ihm. Die Fläche wird nicht weniger. Wir ändern durch unsere Anwesenheit die Zusammensetzung dieses anderen Lebens, aber das ist normal, und beruht auf Gegenseitigkeit. Alle Lebewesen ändern mit ihrer Anwesenheit und ihrem Stoffwechsel das Milieu für alle, inklusive sich selbst!</p>



<p><strong>Durch die unsinnige und willkürliche Umwandlung eines <em>Ge</em>brauches in einen <em>Ver</em>brauch wird unterschwellig an unser tief verwurzeltes Bedürfnis nach Vorratshaltung appelliert. Es ist ein weiteres Beispiel für grüne Demagogie.</strong></p>



<p>(siehe auch meinen Beitrag <a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-sind-wir/"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer ist der Planet?</mark></a> für ein erstes Beispiel)</p>



<p>Natürlich ist eine mögliche Antwort auf diesen Vorwurf, wir würden nicht die Fläche selbst verbrauchen, sondern die von dieser Fläche bereitgestellten Ressourcen. Und indem wir hier permanent mehr verbrauchen, als die Fläche nachproduzieren kann, würden wir diese dauerhaft beschädigen, so dass sie irgendwann stirbt und gar nichts mehr produziert. Hier kommt wieder der <a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/der-gruene-grundirrtum/"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">grüne Grundirrtum</mark></a> zum Tragen, demzufolge wir nicht etwa Teil der Natur seien, sondern Bewohner.</p>



<p>Tatsächlich verbrauchen wir die meisten Ressourcen gar nicht. Wir verändern sie nur. Wie schon gesagt: Das ist genau das, was das Leben tut: Es verändert permanent alle möglichen Substanzen. Das nennt man Stoffwechsel. Nur in einer toten Welt findet diese Veränderung nicht mehr statt.</p>



<p>Die anderen Lebensformen des Planeten, oder evtl. auch unsere Nachfahren, werden sich an die Veränderungen der gebrauchten Fläche anpassen und sie dann genauso mögen, wie wir sie gemacht haben. Die Fläche wird anders, aber sie stirbt nicht und verschwindet nicht.</p>



<p>Das einzige, was der Mensch sich also verkneifen sollte, ist der Versuch, bestimmte Abfallprodukte für alle Zeiten aus dem Spiel zu nehmen. Denn wenn es gelänge, unseren Atommüll für immer aus den Kreisläufen des Lebens auszusperren, dann wäre er tatsächlich <em><strong>ver</strong></em>braucht.</p>



<p>Aber keine Panik, der Versuch wird scheitern. Die Pflanzen haben die fossilen Brennstoffe unabsichtlich für Jahrmillionen aus dem Kreislauf genommen. Dann kam der Mensch, und hat sie doch wieder zurückgeholt. Genauso wird es mit den menschlichen Abfällen sein: Früher oder später kommt jemand, buddelt sie wieder aus und findet ihre Verwertung ganz toll. Egal, wie gut wir glauben, die Erde vor unserem Gift-Müll beschützen zu können.</p>



<p>Eine Ausnahme zu all den anderen Ressourcen muss angesprochen werden: Energie (oder besser gesagt, Entropie, aber diese Diskussion spare ich uns hier)</p>



<p>Energie ist deswegen besonders, weil sie eine abstrakte Größe ist, von Wissenschaftlern in harter Arbeit extra so definiert. Verbrauchte Energie ist weg, sie kann nicht mehr in den Zyklus des Lebens zurück eingebracht werden.</p>



<p>Hier sollten wir an die andere der oben genannten Einschränkungen denken, die für das Prinzip der Vorratshaltung gelten. Mehrere Varianten können unsere Einsparversuche ins Gegenteil umwandeln:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die anderen Lebensformen werden uns nicht dankbar sein, dass wir freiwillig auf Energieverbrauch verzichten. Selbst wenn einzelne Individuen intelligent genug sein sollten, unsere Selbstkasteiung zu erkennen und zu würdigen: Genauso wenig wie die Menschheit ein Gesamtbewusstsein hat (siehe auch meinen Beitrag <a href="https://franksantigruenerblog.de/uncategorized/wer-sind-wir/"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color">Wer sind wir?</mark></a>), bilden auch die anderen Lebensformen kein Gesamtbewusstsein, und werden uns schon deshalb nicht für freiwilligen Verzicht belohnen. Was wir nicht verbrauchen, werden andere verbrauchen. Andere Arten oder andere Menschen. Das zweite ist wahrscheinlicher.</li>



<li>Diejenigen Menschen, die jetzt uns alle zu übertriebener Sparsamkeit zwingen wollen, werden die gesparten Vorräte für sich verbrauchen. Das ist etwas, was in der Geschichte der Menschheit immer und immer wieder passiert ist.</li>



<li>Diejenigen Menschen, die jetzt uns alle zu übertriebener Sparsamkeit zwingen wollen, sind ehrlich und üben selbst Verzicht. Dritte verbrauchen die Vorräte in einer tatsächlichen oder empfundenen Notsituation.</li>



<li>Diejenigen Menschen, die jetzt uns alle zu übertriebener Sparsamkeit zwingen wollen, sind ehrlich und üben selbst Verzicht. Dennoch müssen sie Machtstrukturen aufbauen, um den Sparzwang dauerhaft aufrecht zu erhalten. Diese Machtstrukturen werden dann von dritten übernommen und für egoistische Motive missbraucht.</li>
</ul>



<p>Mischformen sind denkbar und wahrscheinlich. Die Bevorratungssituation der Menschheit wird in keiner Variante am Ende besser.</p>



<p>Ich wiederhole:</p>



<p><strong>Die ständigen Appelle, die Ressourcen der Erde durch Verzicht auf Lebensqualität zu schonen, sind ein raffiniertes Ausnutzen unseres Vorratshaltungsinstinktes. Nichts wird besser, die Gefahr des Missbrauchs ist erheblich.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Wer sind wir?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Aug 2023 15:21:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir sind ja angeblich verantwortlich für den Klimawandel. Aber wer ist dieses wir eigentlich? Naiv stellt man sich dieses wir gerne wie einen einzelnen großen Menschen vor. So einen ungehobelten Typen, der sich nicht zu benehmen weiß und rücksichtslos nur]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><em>Wir</em> sind ja angeblich verantwortlich für den Klimawandel. Aber wer ist dieses <em>wir</em> eigentlich?</p>



<p>Naiv stellt man sich dieses wir gerne wie einen einzelnen großen Menschen vor. So einen ungehobelten Typen, der sich nicht zu benehmen weiß und rücksichtslos nur seine eigenen Wünsche verfolgt.</p>



<p>Dieser Typ hat ein Zimmer im Hotel <em>Natur</em> bezogen, in dem schon viele andere Gäste leben, die Bäume, die Käfer und alle anderen Lebensformen. Am Frühstücksbuffet frisst er dermaßen in sich hinein, dass viele andere Gäste hungrig bleiben. Sein eigenes Zimmer verwüstet er regelmäßig, das Hotelpersonal kommt gar nicht nach, es immer wieder in Ordnung zu bringen. Er beginnt, in die Zimmer der anderen Gäste einzudringen und diese zu plündern, als Krönung hat er nun auch noch das Hotel angezündet.</p>



<p>Eine verlockende Vorstellung, aber bei genauem Hinsehen absolut unpassend. Warum?</p>



<p>Ein Diamant ist kein großes Kohlenstoffatom. Er hat völlig andere Eigenschaften, und die Eigenschaften ein einzelnes Kohlenstoffatom zu beschreiben, passen überhaupt nicht auf einen Diamanten.</p>



<p>Ein Sandhaufen ist kein Sandkorn. Das Sandkorn ist hart und rund, der Sandhaufen ist verformbar und unrund. Wenn es aus irgendeinem Grund wünschenswert wäre, den Haufen hart und rund zu machen, dann hülfe es nichts, am einzelnen Sandkorn anzusetzen, und dieses noch härter und runder zu machen.</p>



<p>In diesem Sinn ist die Menschheit ein Haufen, aber kein großer Mensch und, mehr noch, die Menschheit ist kein Wesen, welches bewusste Entscheidungen trifft. Bewusste Entscheidungen sind aber die Voraussetzung für ethisches Handeln. Wer kein Bewusstsein hat, an den kann man keine ethischen oder moralischen Kriterien anlegen.</p>



<p>Ist das nicht ein Widerspruch dazu, dass die Menschheit sich offenbar entwickelt hat, dass wir heute ganz anders leben, als vor 100, 1.000 oder gar 100.000 Jahren? Beweist diese Entwicklung nicht, dass es doch so etwas wie ein sich entwickelndes Gesamtbewusstsein der Menschen gibt?</p>



<p>Nein, tut es nicht. Wir leben heute anders, weil die Umstände anders sind, und wir uns daran anpassen. Teil dieser Umstände ist auch das Wissen, das heute in unseren Köpfen gespeichert ist. Jeder einzelne verhält sich anders auf Grund seines Wissens, und seiner Lebensumstände. Damit ergibt sich auch ein geändertes Verhalten der Menschheit insgesamt, aber dieses geänderte Gesamtverhalten ist kein Indiz für so etwas wie ein Gesamtbewusstsein der Menschheit.</p>



<p>Die Aussage, der Mensch sei verantwortlich für den Klimawandel, ist daher ein Kategorienfehler, denn Verantwortung ist ein ethischer Begriff. Ich leugne nicht, dass die Ursache für den Klimawandel in menschlicher Aktivität liegt. Aber Ursache ist nicht gleich Verantwortung.</p>



<p>Also ist dann doch jeder Einzelne verantwortlich?</p>



<p>Nein, so wenig wie das einzelne Sandkorn die Eigenschaften des Haufens verändern kann, kann der einzelne Mensch das Verhalten der Menschheit beeinflussen. Moralisches Verhalten des Einzelnen führt nicht dazu, dass die Menschheit sich moralisch verhält.</p>



<p>Warum ist das wichtig? Kommt es nicht einfach darauf an, das Beste aus der Situation zu machen?</p>



<p>Die Diskussion über die erforderlichen Maßnahmen bekommt durch die ethisch-moralische Dimension eine Schlagseite auf die Verhinderung des Klimawandels. Unethisches Handeln muss verhindert werden, selbst dann, wenn es zu einer Verbesserung der Gesamtsituation führen würde. Maßnahmen, die das Leben mit dem Klimawandel besser machen geraten zu Maßnahmen zweiter Klasse.</p>



<p>In der womöglich größten Krise der Menschheit führen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen zu nicht optimalem Einsatz unserer Ressourcen und in der Folge zu unnötigem Leid und Tod.</p>
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		<title>Der Plan des Planeten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Aug 2023 13:02:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Hat der Planet Fieber? Seit Jahrzehnten haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir unseren Gastgeber, den Planeten, krank machen, indem wir seine Atmosphäre mit Kohlendioxid fluten, und damit sein Klima verändern. Doch jetzt zeigen neueste Enthüllungen: Der Planet selbst steht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hat der Planet Fieber?</p>



<p>Seit Jahrzehnten haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir unseren Gastgeber, den Planeten, krank machen, indem wir seine Atmosphäre mit Kohlendioxid fluten, und damit sein Klima verändern.</p>



<p>Doch jetzt zeigen neueste Enthüllungen: Der Planet selbst steht hinter der Klimaerwärmung. Er ist der Mastermind hinter dieser sogenannten Klima-Katastrophe.</p>



<p>Geboren worden war er nämlich mit einem schönen warmen Wintermantel, der ihn im eisigen Weltraum trotz der großen Entfernung zur Sonne warm und eisfrei hielt. Und so existierte er mehrere Jahrmilliarden glücklich in seiner molligen CO<sub>2</sub>-Kleidung.</p>



<p>Dann passierte etwas schreckliches.</p>



<p>Sehr früh bereits hatten sich erste kleine Lebewesen in seinem Pelz eingenistet, die Cyano-Bakterien, und sie fraßen gemütlich an seinem dicken Fellkleid. Damit konnte der Planet aber noch leben, denn die Cyanos fraßen nur sehr wenig.</p>



<p>Dann aber kam der Landgang der Pflanzen, und diese hatten von Cyano-Bakterien gelernt, wie man Sonnenlicht zu nutzbarer Energie umwandelt, und begannen, im großen Stil das nützliche Kohlendioxid in hochaggresiven Sauerstoff umzuwandeln.</p>



<p>Schon der Sauerstoff war schlimm, denn er zerstörte viele der anderen Lebewesen, die inzwischen auf den Planeten sich gebildet hatten. Aber noch schlimmer war, dass die Pflanzen das Kohlendioxid fast vollständig aus der Atmosphäre entfernten, und damit den Wintermantel in eine dünne Haut umwandelten, so dass der Planet so auskühlte, dass sich dicke Eispanzer auf seiner Haut bildeten.</p>



<p>Das war dem Planeten zuviel. Er musste handeln.</p>



<p>Er fasste einen Plan. Lebewesen hatten seinen Mantel zerstört, Lebewesen sollten ihm einen neuen Mantel nähen müssen. Er schuf den Menschen.</p>



<p>Er zeigte dem Menschen, wie man Werkzeug benutzt, baut und entwickelt. Und am Ende zeigte er ihm die Energiereserven, die die egoistischen Pflanzen angelegt hatten, und wofür diese ihm sein ganzes Kohlendioxid geraubt hatten. Der Mensch sollte diese Reserven zurückrauben, in Kohlendioxid zurückverwandeln und dem Planeten zurückgeben. Im Gegenzug durfte der Mensch sich mit der Energie ein schönes Leben machen.</p>



<p>Dass ein kleiner Teil der Menschen diesen Plan nicht verstehen würde, war dem Planeten von vorneherein klar. Es interessierte ihn nicht, denn er wusste, dass der größere Teil der Menschheit genügen würde, seinen Plan umzusetzen. Und die Nicht-Planetenversteher müssten halt auf die billige Energie verzichten.</p>
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		<item>
		<title>Der grüne Grundirrtum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[admin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Jul 2023 07:19:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt. Dieser Ausspruch von Greta Thunberg ist für mich die Zusammenfassung des grünen Grundirrtums. Er enthält die Vorstellung von einer Natur, die unser Haus ist, in dem wir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p></p>
</blockquote>



<p><strong>Ich will, dass ihr handelt, als würde euer Haus brennen. Denn es brennt.</strong></p>



<p>Dieser Ausspruch von Greta Thunberg ist für mich die Zusammenfassung des grünen Grundirrtums.</p>



<p>Er enthält die Vorstellung von einer Natur, die unser Haus ist, in dem wir leben. Tatsächlich jedoch ist die Natur kein Haus, und wir sind keine Bewohner. Denn ein Haus ist etwas relativ statisches, in dem sich nicht viel mehr ändert als gelegentlich die Tapete an den Innenwänden. Die Natur hingegen ist dynamisch, ein Organismus, der sich aus eigenem Antrieb permanent verändert. Jedenfalls so lange die Natur belebt ist. Leben erzeugt Veränderung, Leben besteht aus Veränderung.</p>



<p>Wir Menschen bewohnen auch nicht die Natur, sondern wir sind ein Teil von ihr. Wir tun genau das Gleiche wie alle anderen Bestandteile des Lebens: Wir nehmen uns, was wir brauchen können, und wir geben zurück, was wir nicht mehr brauchen. Das nennt man <em>Stoffwechsel</em>, und dieser gehört zu den Kernmerkmalen des Lebens.</p>



<p>Fotosynthese-treibende Lebensformen haben das Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen und hochgiftigen Sauerstoff zurückgegeben. Nicht nur hat das zu einer Abkühlung des Planeten geführt, bis hin zu vereisenden Polkappen, Sauerstoff ist auch noch eine aggressive Chemikalie, die die Entstehung von Leben verhindert hätte, wäre sie von Anfang an in der Atmosphäre gewesen. Hätte es damals schon Umweltschützer gegeben, sie hätten die Fotosynthese verboten wegen der gravierenden Umweltzerstörung. Es gab aber noch keine Umweltschützer.</p>



<p>Stattdessen mussten sich alle Arten an die Anwesenheit von Sauerstoff gewöhnen, und sie haben es nicht nur geschafft, sie haben sogar einen Vorteil daraus gezogen. Genau das wird auch mit dem passieren, was wir Menschen als Abfall in die Natur entlassen.</p>



<p>Selbstverständlich wird dies zu Veränderungen in der Natur führen. Viele sehen diese Veränderung als Zerstörung an; jedoch ist jede Veränderung eine Zerstörung des alten Zustandes. Solche permanenten Zerstörungen sind nicht nur nicht verboten, sie sind notwendig, sie sind das Grundkonzept des Lebens. Der Stoffwechsel des Lebens führt zu Veränderungen des Milieus, woran sich das Leben anpasst, was zu weiteren Veränderungen führt. Dieser Mechanismus führt zu unaufhörlicher Veränderung, solange es noch nutzbare Energie gibt. Das ist ein Naturgesetz, niemand wird das stoppen, außer vielleicht der Wärmetod des Universums.</p>



<p><strong>Die Natur ist kein Haus, und wir sind nicht die Bewohner. Die Natur ist ein Organismus, der seine Bestandteile zu permanenter Anpassung zwingt, und wir sind ein solcher Bestandteil.</strong></p>
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